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25 Jahre Schrebergartenkolonie AUTAL 2

25 Jahre Schrebergartenkolonie AUTAL 2

Hier zeigen wir die Jubiläumszeitschrift und die damals aufgenommenen Bilder der Kolonie Autal II, die anläßlich zum 25 jährigem Jubiläum, 1986 erstellt wurde. Leider ist uns heute nicht mehr bekannt wer diesen Text verfasst oder fotografiert hat. Auch bei den Federzeichnungen sind wir nicht sicher, aber vom Stil her könnte es aus der Feder von Heike Schaumburg stammen, die ja auch die „Autal II-Federzeichnung” erstellt hatte.

Wir wünschen viel Spaß beim lesen - auch könnte es ja den einen oder anderen neuen „Autal II-Pächter” interessieren. Wir haben den Wortlaut 1:1 aus der Original-Festzeitung übernommen, ebenso die alte Rechtschreibung belassen, denn immerhin ist dieser Text ja aus dem Jahr 1986.

Wir haben die Festzeitung auch als PDF aufbereitet und daher kann sie auch hier heruntergeladen werden.

Am 1. Wochenende im Oktober 1961 war für 29 Wedeler Familien ein großer, ein bedeutender Tag.

Das Gelände der ehemaligen Schuttkuhle im Autal hatte die Stadt Wedel dem Schrebergartenverein für Dauerkleingärten zur Verfügung gestellt.

Das Gebiet war notdürftig mit Mutterboden aufgefüllt worden und die Wege und Parzellen waren vermessen und mit Pflöcken abgesteckt. Die Verlosung konnte beginnen.

Aber rufen wir uns das Jahr 1961 doch noch einmal in unsere Erinnerung zurück.
Die Not der Nachkriegszeit war gerade überwunden. Das Wirtschaftswunder zeigte sich auch in Wedel. Es wurde an allen Ecken und Enden gebaut, um aus den Baracken am Beksberg und an der Rissener Straße herauszukommen. Der Bau der Siedlung am Elbhochufer ging seiner Vollendung entgegen. Weitere Bebauungsgebiete waren erschlossen und sollten die Wohnungsnot in unserer Stadt lindern.

Zum Teil waren auf diesen Flächen aber Kleingärten eingerichtet, die nun dem Wohnungsbau weichen mußten.

Für die Schreber waren besonders in dieser Zeit die Gärten nicht nur Hobby, sondern in erster Linie eine Möglichkeit, ihre Familien ohne allzu großen Hunger über den Winter zu bringen. Für große Rasenflächen war da kein Platz, und auch das Blumenbeet der Frau hielt sich in Grenzen. Viel wichtiger war es, daß man genügend Kartoffeln in die Miete bekam, daß Erbsen und Wurzeln eingeweckt werden konnten, daß man seinen Steinkrug mit Salzbohnen im Keller hatte. Auch die Gläser mit Johannisbeermarmelade und Kirschen, mit Zimtbirnen und Gewürzgurken sollten das ganze Jahr reichen, denn all diese Dinge brauchte man ja für den Familientisch. Das Geld war knapp und wurde für andere wichtige Dinge dringend benötigt.

So half der Garten ganz entscheidend mit, daß man sich nicht nur die neue Wohnung einrichten konnte, sondern daß sogar noch ein Kühlschrank in die Küche kam, ja manchmal sogar eine Waschmaschine. Das UKW-Radio spielte in der Stube, und einige ganz 'Reiche' hatten schon einen Fernseher.

Wenn man sich in diese Zeit noch einmal zurückversetzt, kann man gut verstehen, daß es für die 29 Neuanfänger im Autal schon ein besonderer Freudentag war, als sie ihre Gärten bekamen.

Auslosung und Anfang

Am 1. Sonntag im Oktober 1961 war der große Moment gekommen. Der 2. Vorsitzende des Schrebergartenvereins, Herbert Pressels nahm die Auslosung vor.

Wie es bei Verlosungen nun einmal so ist, bekam natürlich nicht jeder seinen Wunschgarten, aber im Großen und Ganzen waren doch alle zufrieden.

Jetzt ging es mit voller Kraft an die Arbeit. Wege wurden eingerichtet, Zäune gesetzt und die vordere Einfriedigung gemacht.

Zu damaliger Zeit war das Autal noch ein richtiger Feldweg; an beiden Seiten der Straße war ein Graben, der gereinigt werden mußte. Außerdem mußte das Land für den Winter schwarz gemacht werden. Auf der einen oder anderen Parzelle sammelte sich auch schon Baumaterial, das für den Laubenbau im nächsten Jahr gedacht war. Es herrschte allenthalben emsiges Treiben in der Kolonie.

Entwicklung, Fortschritt und Rückschläge

Der 1. Obmann in der Kolonie wurde Franz Palfner, der schon damals ein alter Hase war. Er war, wie man so sagt, ein „Schreber durch und durch“ und sorgte dafür, daß alles seine Ordnung hatte und die neuen Parzelleninhaber zu einer Gemeinschaft zusammenwuchsen.

Der Winter kam, und man war ein gutes Stück vorangekommen.

Aber dann gab es eine böse Überraschung. In der Nacht vom 16. auf den 17. Februar 1962 suchte eine schwere Sturmflut unsere Küste heim. In Hamburg, das am schwersten betroffen war, fanden viele Menschen den Tod.

In Wedel trat das Wasser über die Deiche und richtete große Schäden an. Auch die neue Kolonie im Autal blieb nicht verschont. Sie wurde zu einer großen Wasserwüste. Bis zu 1,20 m Höhe stand das Wasser in den Gärten. Als die Flut zurückgegangen war, konnte man das große Ausmaß der Verwüstung übersehen. Nichts war von der ganzen Arbeit im Herbst geblieben. Das Bauholz, das man mühsam organisiert hatte, war weggespült worden, das ganze Gelände war mit einer dicken Schicht Schlamm und Dreck bedeckt und der Mutterboden war fortgespült worden.- Mit einfachen Worten: ein Bild des Grauens!

Jetzt zeigte sich aber die gute Moral der neuen Kolonie. Ein Verzagen gab es nicht. Schon im Frühjahr waren fast alle Schäden beseitigt. Man bestellte sein Land und einige fingen sogar schon mit dem Laubenbau an; natürlich nicht so wie heute, mit Fertiglauben aus neuem Holz, aufgestellt an einem Tag.- Das Material wurde mühsam zusammenbesorgt, von den abgerissenen Baracken an der Feldstraße und am Beksberg, von Röseckes Gastwirtschaft am Strandbad zum Beispiel. Die Schreber waren schon damals sparsame Leute und standen auf dem Standpunkt: Kaufen, das kann ja jeder!

Aller Anfang ist schwer

1962:
⇐ Der Zaun ist fertig, die ersten Lauben stehen, aber Material kann man immer gebrauchen.

Der ganze Stolz.....die neue Laube.⇒

ansonsten bleibt aber noch viel Arbeit.

Im Autal herrschte also emsiges Treiben, und wo viel gearbeitet wurde, durfte auch ruhigen Gewissens gefeiert werden.

Die neue Kolonie verstand beides ausgezeichnet. Berthold Tiedemann holte am Abend sein Schifferklavier heraus, und Obmann Franz kam mit seiner Teufelsgeige, und wenn die ersten Töne durchs Autal zogen, hörten alle schlagartig mit der Arbeit auf, und die Volkswanderung zur Musik setzte ein. Man nahm mit, was man gerade im Garten dabeihatte, ein paar Flaschen Bier, eine Apfeltorte, eine halbe Flasche Branntwein, Hasenbrot und Tomaten. Alles wurde zusammen verzehrt, man erzählte sich was, lachte und scherzte, sang Lieder und tanzte manchmal bis in die späte Nacht hinein.

So gingen die ersten Jahre in der Autalkolonie dahin. Der Graben an der Straße wurde verrohrt, die Autalstraße mit einer provisorischen Asphaltdecke versehen. An der Seite der Gärten wurde ein Fußweg gebaut, und die Schreber setzten die wunderschöne Ahornhecke, die man noch heute bewundern kann. Natürlich wurde dies in Gemeinschaftsarbeit gemacht, wie überhaupt Gemeinschaft in der neuen Kolonie immer, bis zum heutigen Tag ganz groß geschrieben wird.

1967 wurde das Moorloch, das zwischen den Kolonien Autal 2 und
Heldenhain 1 lag, zugeschüttet. Hierauf fanden vier neue Kleingärtner Platz
in der Kolonie Autal 2. In weiser Voraussicht legte man auf der 1. Parzelle zur Straße, auf der
besonders viel Bauschutt angefahren worden war, einen Parkplatz an, denn einige Schreber hatten
schon ein Auto und heute, da fast jeder ein Auto hat, ist er zu einer Notwendigkeit geworden.

Auch an die trockenen Jahreszeiten dachte man beizeiten. In den beiden Hauptgängen wurde je ein
Brunnen gebaut. So hatte man genügend Wasser zum Gießen, und die Blumen und das Gemüse
dankten es mit großen Erträgen und üppiger Blütenpracht.

1971 war Kurt Schmidts Rasen von der vielen Tanzerei so ramponiert,(hier fanden nämlich meistens die Feste statt) daß man sich entschloß, auf der freiwerdenden Parzelle von Otto Schäfer ein größeres „Gerätehaus“ und einen Kinderspielplatz anzulegen. Der größte Teil der Gartenfreunde im Autal gab eine Einlage von DM 100 wovon das Material gekauft wurde. Rudi Bohn hatte die Bauaufsicht, und im Frühjahr ging die Arbeit los.

Auch hier zeigte sich wieder, wie einsatzfreudig und arbeitsam die Gärtner waren. Neben der Gartenarbeit ging der Bau zügig voran. Rudi Bohn arbeitete mit so viel Schwung, daß er rückwärts in die volle Zementbütte fiel und der arme Franz strengte sich so sehr an, daß er einen Leistenbruch bekam, und das Richtfest im Krankenhaus miterlebte.

Kurt Schramm verwaltete die eingezahlten Gelder so gut und so genau, daß man immer im Finanzierungsrahmen blieb, und wenn man reit dem Material einmal etwas zu kurz kam, wurde eben auf Schreberart dazubesorgt.

Im Herbst war der Bau fertig. Man sah ihn sich näher an und stellte fest, daß er als Geräteraum eigentlich viel zu groß und zu schade war. Also wurde er kurzerhand in ein Gemeinschaftshaus umfunktioniert, und Kurt Schmidts Rasen hatte fortan Ruhe.

Zu den Festen spielten nach wie vor Berthold und Franz auf, zu denen bald noch Karl Blumberg stieß. Solange Franz noch die Teufelsgeige spielte, nannte man die Drei " Die Wurzelkombo"; aber dann wurde ein Schlagzeug angeschafft und fleißig geübt, und so entstand das weit über die Koloniegrenzen hinaus bekannte " Autal-Terzett ", das allen viele fröhliche Stunden gebracht hat.

3 Jahre später wurde an das Gemeinschaftshaus Strom und Wasser gelegt. Franz Palfner, der zu dieser Zeit schon längst Vorsitzender des Schrebergartenvereins Wedel war, hatte dies bei der Stadtverwaltung erreicht. Somit war die Kolonie Autal 2 die erste, die in Wedel mit Strom und Wasser versorgt wurde. Die Stadtwerke legten die Leitungen nur bis an das Vereinsgelände, und der Rest wurde, wie immer, in Gemeinschaftsarbeit gemacht.

So nahm der Fortschritt im Autal seinen Lauf. Die Straße Autal wurde weiter ausgebaut. Der Graben auf der gegenüberliegenden Straßenseite, in den Kurt Fredrich manchmal mit seinem Fahrrad hineinfuhr, wurde zugemacht, ein Regenwassersiel dareingelegt und obenauf ein kombinierter Fuß- und Radweg gebaut. Die Straße selbst wurde verbreitert und bekam eine Asphaltdecke. Wieder war ein Stück Natur verschwunden. Der Verkehr auf dieser neuen Straße nahm erheblich zu, und die Gärtner an der Straße hatten jetzt nicht mehr ihre unbedingte Ruhe, die sie im Garten suchten.

Daß die Natur ungeahnte Kräfte entwickeln kann, gegen die Menschenarbeit nur Stückwerk ist, sollte sich im Jahre 1976 zeigen. Am 3. Januar 1976 wurde die Küste wieder von einer schweren Sturmflut heimgesucht. Hamburg hatte sich diesmal besser vorbereitet, aber bei Hetlingen und Haseldorf brach der Deich, und der Blanke Hans richtete großen Schaden an. Menschen kamen zum Glück nicht zu Schaden, aber viel Vieh konnte nicht mehr gerettet werden und ertrank.

Sturmflut 1976 (4. Januar)

Großer Schaden, soweit das Auge reicht

Auch in Wedel trat das Wasser über die Mini-Deiche an der Schulauer Straße und schoß mit großer Gewalt über die Mühlenstraße und durch das Autal.

Die Gärten wurden überflutet, Lauben weggerissen, Zäune fielen um und alles, was nicht niet- und nagelfest war, wurde von der Gewalt des Wassers fortgetragen. Bis zu 1.50 m hoch stand das Wasser und lief nur sehr langsam wieder ab. Diesmal empfanden die Gärtner die Verwüstungen der Flut schlimmer als im Jahre 1962, denn ihre Gärten waren ja alle tip-top in Ordnung gewesen, auf einigen Parzellen standen ganz neue Lauben. Jetzt aber bot die Kolonie ein Bild des Jammers. Tiefe Furchen zogen sich durch das Gelände, der Boden war weggespült. Zäune standen kaum noch, die Wege sahen aus, als ob man sie umgepflügt hätte und in den Lauben lag überall eine dicke Schicht übelriechenden Schlamms.

So mancher hätte bei diesem Anblick wohl den Mut verloren, nicht aber die Schreber im Autal'.

Kaum setzte im Frühjahr offenes Wetter ein, ging es an die Arbeit. Nach öffentlicher Hilfe wurde nicht gefragt. Da gab es sicher andere, die viel mehr verloren hatten. Man handelte nach der bewährten Koloniemanier: "Wir helfen uns selbst." Dies klappte ganz vorzüglich. Der Verein stellte Mutterboden zur Verfügung, damit die größten Löcher ausgeglichen werden konnten. Die Zäune wurden wieder aufgerichtet, oder es wurden neue gesetzt. Die Lauben wurden ausgebessert und gesäubert, und auch das Gemeinschaftshaus wurde einer Generalreinigung unterzogen.

Als im Herbst zum 15. Mal in der Kolonie Erntedankfest gefeiert wurde, konnte niemand mehr merken, wie schlimm es hier zu Beginn des Jahres ausgesehen hatte.

Bei den Gartenwechseln, die zu dieser Zeit vorkamen, merkte man einen Wandel in der Einstellung zum Kleingarten. Die Lauben wurden größer und schöner, die Rasenflächen wurden grö3er, Blumenbeete nahmen einen größeren Platz im Garten ein, es wurden mehr Ziersträucher gepflanzt. Man legte eben mehr Wert auf die Begriffe "Freizeit und Erholung".

Auch die alten Lauben wurden erweitert oder durch neue ersetzt. So baute z. B. Karl-Heinz Kröger schon seine dritte Laube.

Wer nun aber meinte, daß er jetzt in der Kolonie seine Ruhe haben würde, sah sich bald getäuscht.

Das Klärwerk in Schenefeld sollte an das Großklärwerk Hetlingen angeschlossen werden, und der Sammler West wurde geradewegs durch die Gartenkolonie Autal 2 geführt' So hatten wir 1980 wieder eine Großbaustelle in unseren Gärten. Ein tiefer Graben wurde ausgehoben und Rohre von über 2 m Durchmesser verlegt.

Die Notwendigkeit dieses Leitungsbaues sahen wir Schreber voll ein, denn 1961, bei Entstehen der Kolonie, war die Au noch sauber. Fische aller Art waren darin, und abends konnte man die schönsten Froschkonzerte hören. 1980 aber, war die Au tot. Sie war so sehr mit Abwassern belastet, daß sich kein Fisch und keine Kaulquappe darin halten konnte.

Dies sollte durch den Sammler geändert werden, und hierfür hatten die Kleingärtner volles Verständnis, auch wenn sie wieder Arbeit und Unannehmlichkeiten davon hatten. Nach Beendigung der Bauarbeiten sah es in der Kolonie wieder einmal schlimm aus. Aber, wie immer, wurde nicht lange lamentiert, sondern in die Hände gespuckt und die Arbeit angepackt.

1980 - Der Abwassersammler wird gebaut

und di Gärten und Zäune wieder hergestellt.

Schon bald hatte die Kolonie wieder Gesicht und so können wir sie heute zum 25 jährigen Jubiläum vorzeigen. Vorzeigen können sie wohl mit ganz besonderem Stolz diejenigen, die von Anfang an dabei waren. Es handelt sich um die Schreber:

Gerhard Dosse
Wolfgang Schwermer
Margot Dregis
Kurt Schramm
Franz Palfner
Kurt Schmidt
Hein Greve
Adolf Damke
Karl-H. Kröger
Rudi Bohn
Werner Behm
Ernst-D. Gothe
Berthold Tiedemann

An der großen Zahl derer, die hier noch immer ihren Garten bestellen, sieht man, daß Kleingärtner bodenständige Leute sind, die ihr Fleckchen Erde nicht so leicht aufgeben.

Es mag vielleicht der Eindruck entstanden sein, daß es sich bei den Schrebern hier im Autal um eine reine Männergesellschaft handelt. Dies ist aber nicht so. Einen sehr großen Anteil an der guten Gemeinschaft haben auch unsere Frauen.

Sie treffen sich seit 1975 regelmäßig zu einem gemütlichen Kaffeekränzchen, wo sie Erfahrungen des täglichen Lebens austauschen, handarbeiten und klönen. Wenn ein Fest im Schrebergarten gefeiert werden soll, übernehmen sie gern einen Teil der Organisation und sorgen oft für das leibliche Wohl aller Gäste mit selbstgebackenem Kuchen etc.

Das sie im und vom Garten eben so viel Arbeit haben wie wir Männer, wissen wir natürlich alle, obwohl wir es manchmal nicht wahrhaben wollen. Und ich meine, ohne unsere Frauen sähe es in unserer Kolonie wohl ganz anders aus.


Wedel, im Oktober 1986

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