Die Jahre 2000 - 2009
Die Jahre 2000–2009
Zwischen Jubiläum, Modernisierung und einer der größten Veränderungen der Vereinsgeschichte
Mit dem Beginn des neuen Jahrtausends trat auch der Schrebergarten-Verein Wedel in eine neue Phase seiner Geschichte ein.
Die großen Ausbaujahre lagen inzwischen hinter dem Verein. Fast alle Kolonien verfügten über eine zeitgemäßere Infrastruktur, Vereinshäuser waren entstanden oder modernisiert worden und mehr als 600 Menschen gehörten der Gemeinschaft an.
Doch die kommenden zehn Jahre sollten keineswegs ruhig verlaufen.
Neue Verwaltungsverfahren wurden eingeführt, die Buchführung und Mitgliederverwaltung zunehmend digitalisiert und mit dem Bankeinzugsverfahren hielt eine weitere organisatorische Neuerung Einzug.
Gleichzeitig veränderten sich die Rahmenbedingungen. Die Mitgliederzahlen gingen langsam zurück, freie Parzellen ließen sich nicht mehr überall sofort vergeben und die Kosten für Wasser, Versicherungen und andere Leistungen stiegen.
2005 geriet der Verein sogar in die schwerste Führungskrise seiner bisherigen Geschichte. Für einige Monate stand letztlich die Frage im Raum, ob es überhaupt gelingen würde, einen handlungsfähigen Vorstand zu bilden.
Kaum war diese Krise überwunden, kündigte sich bereits die nächste große Herausforderung an.
Die Stadt Wedel benötigte neue Gewerbeflächen.
Davon betroffen waren ausgerechnet die Kleingärten von Nieland 2 und Nieland 3.
Was 2006 mit ersten Planungen und Einwendungen begann, endete 2009 mit der endgültigen Rückgabe dieser Flächen.
Das Jahrzehnt führte den Verein damit von seinem 80-jährigen Jubiläum im Jahr 2000 bis zu einer der einschneidendsten Flächenverluste seiner Geschichte.
2000 – 80 Jahre Schrebergarten-Verein Wedel
Die Mitgliederzahl sinkt erstmals leicht
Zu Beginn des neuen Jahrtausends gehörten dem Verein 637 Mitglieder an.
Damit waren es drei Mitglieder weniger als im Vorjahr.
Die Zahl der Bewerber blieb mit 22 Interessenten zunächst unverändert.
Allerdings zeigte sich bei der Nachfrage ein neues Bild.
Für freie Gärten in den Kolonien Autal, Corsland und Schlödelsweg gab es zeitweise keine Interessenten.
Noch wenige Jahre zuvor hatten Bewerber teilweise eineinhalb Jahre auf einen Garten warten müssen.
Nun deutete sich an, dass die jahrzehntelang nahezu selbstverständlich hohe Nachfrage nicht auf Dauer garantiert war.
Das Vereinshaus Autal ist saniert
Ein größeres Projekt konnte abgeschlossen werden:
Die Sanierung des Vereinshauses Autal war beendet.
Der 1. Vorsitzende Hans-Jürgen Schaumburg zeigte sich mit dem Ergebnis zufrieden. Der betriebene Aufwand habe sich gelohnt.
Doch über die Baumaßnahme entstand während der Mitgliederversammlung eine grundsätzlichere Diskussion.
Ein Revisor kritisierte, dass die Sanierung nicht zuvor von der Mitgliederversammlung beschlossen worden war.
Schaumburg wies darauf hin, dass die Maßnahme vom erweiterten Vorstand mit lediglich einer Gegenstimme genehmigt worden war und nach der vereinsinternen Zuständigkeitsordnung gerade dieses Gremium über entsprechende Investitionen zu entscheiden hatte.
Wo endet die Aufgabe der Revision?
Aus der Diskussion entwickelte sich eine grundsätzliche Debatte über die Aufgaben der Vereinsorgane.
Herr Napiwotzki, selbst Revisor und zugleich Vorsitzender des seit 1998 bestehenden Umwelt-, Bau- und Feuerwehrausschusses der Stadt, mahnte zu einem sachlichen Umgang miteinander.
Kritik am Vorstand müsse möglich sein, sollte jedoch sachlich bleiben.
Gleichzeitig wurde daran erinnert, dass die Aufgabe der Revision in der Überprüfung der Geschäfts- und insbesondere Finanzführung liege, nicht jedoch darin, selbst in das laufende operative Geschäft des Vorstandes einzugreifen.
Die Diskussion zeigte, dass bei einem inzwischen großen Verein klare Zuständigkeiten zunehmend wichtig wurden.
Das Bankeinzugsverfahren kommt
Eine bedeutende organisatorische Neuerung wurde 2000 beschlossen:
Der Verein führte das Bankeinzugsverfahren ein.
Der überwiegende Teil der Mitglieder erteilte eine entsprechende Einzugsermächtigung.
Für die Verwaltung bedeutete dies eine deutliche Erleichterung.
Bis dahin mussten eingehende Zahlungen einzeln überwacht und zugeordnet werden. Durch den automatisierten Einzug ließ sich der Bearbeitungsaufwand erheblich reduzieren.
Damit setzte der Verein seine bereits Ende der 1990er-Jahre begonnene Modernisierung der Finanzverwaltung fort.
80 Jahre – gefeiert wird im Nieland
Im Jahr 2000 bestand der Schrebergarten-Verein Wedel seit 80 Jahren.
Zunächst war offenbar eine größere Feier im Wedeler Fährhaus erwogen worden.
Eine Befragung während der Kolonieversammlungen zeigte jedoch, dass bei den Mitgliedern dafür kein ausreichendes Interesse bestand.
Der Vorstand entschied sich deshalb für eine vereinsnähere Lösung.
Die Jubiläumsfeier fand im Vereinshaus Nieland statt.
Eine Entscheidung, die rückblickend beinahe symbolischen Charakter bekommt: Nur wenige Jahre später sollte gerade das Nieland zum Mittelpunkt einer der größten Auseinandersetzungen um Kleingartenflächen in der Vereinsgeschichte werden.
Besuch aus Kiel-Elmschenhagen
Im Juni besuchte eine Delegation des Partnervereins Kleingärtnerverein Kiel-Elmschenhagen den Schrebergarten-Verein Wedel.
Gemeinsam wurden die Kolonien Autal, Corsland und Brünschen besichtigt.
Damit wurden die in den Jahren zuvor entstandenen freundschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Vereinen weiter gepflegt.
Mehr Aufwandsentschädigung für die Kommissionen
Auch die ehrenamtliche Arbeit in den verschiedenen Vereinskommissionen wurde berücksichtigt.
Die Mitgliederversammlung erhöhte die Aufwandsentschädigung für die Beisitzer der
•
Baukommission,
•
Wertermittlungskommission und
•
Wasserkommission
von 120 DM auf 150 DM.
50 DM für eine notwendige Nachbegehung
Auch die Gartenbegehungen verursachten zunehmend organisatorischen Aufwand.
War ein Pächter zweimal unentschuldigt bei einer angekündigten Begehung nicht anwesend und musste deshalb ein zusätzlicher Termin durchgeführt werden, sollte künftig eine Gebühr erhoben werden.
Die Mitgliederversammlung beschloss einstimmig eine Gebühr von 50 DM je notwendiger Nachbegehung.
Damit galt ein einfaches Prinzip:
Zusätzlicher Aufwand, der durch vermeidbares Verhalten eines Einzelnen entstand, sollte nicht von der gesamten Gemeinschaft getragen werden.
2001 – Wasserzähler zeigen Wirkung
Wieder 643 Mitglieder
2001 konnte der Verein wieder einen leichten Mitgliederzuwachs verzeichnen.
Die Mitgliederzahl stieg auf 643.
Darunter befanden sich:
•
30 passive Mitglieder,
•
155 Familienmitglieder und
•
21 Gartenbewerber.
1.
Weiterhin ließen sich sämtliche Gärten verpachten.
2.
In diesem Jahr wurden 433 Parzellen bewirtschaftet.
3.
Dass die Gesamtzahl der Parzellen in den Vereinsunterlagen von Jahr zu Jahr geringfügig schwankt, hatte einen nachvollziehbaren Grund: Größere Parzellen wurden gelegentlich geteilt und später teilweise wieder zusammengeführt.
Partnerschaft mit Elmschenhagen
Auch die Kontakte zum Partnerverein wurden fortgesetzt.
Eine Wedeler Delegation besuchte den Kleingärtnerverein Elmschenhagen sowohl zum Tag des Gartens als auch zum Erntedankfest.
Aus den ersten Kontakten der 1990er-Jahre hatte sich damit eine regelmäßige Partnerschaft entwickelt.
Wieder beim Wedeler Hafenfest dabei
Der Verein beteiligte sich erneut am Wedeler Hafenfest.
Der für den Umzug hergerichtete Festwagen war dabei wieder ein Publikumserfolg.
Solche Veranstaltungen boten dem Verein Gelegenheit, sich nicht nur innerhalb seiner Kolonien, sondern mitten im öffentlichen Leben der Stadt zu präsentieren.
Zwei Jubiläen im Autal
Im Autal gab es ebenfalls Anlass zu feiern.
Nach den vorliegenden Vereinsunterlagen wurde ein Koloniejubiläum gemeinsam mit dem 25-jährigen Bestehen des Vereinshauses Autal gefeiert.
Besonders positiv wurde die Beteiligung unserer Gartenfreunde mit ausländischen Wurzeln hervorgehoben.
Das Vereinsleben spiegelte damit zunehmend auch die gesellschaftliche Vielfalt der Stadt wider.
Wasserverbrauch sinkt um rund ein Drittel
Besonders auffällig entwickelte sich der Wasserverbrauch.
Im Jahr 2000 waren noch 4.916 m³ verbraucht worden.
2001 sank der Verbrauch auf nur noch 3.227 m³.
Das entspricht einer Verringerung um rund ein Drittel.
Die jahrelang diskutierte Einführung von Einzelwasserzählern zeigte damit deutlich Wirkung.
Sobald der tatsächliche Verbrauch einer Parzelle unmittelbar erkennbar und zurechenbar war, wurde offensichtlich wesentlich bewusster mit Trinkwasser umgegangen.
Weniger Vereinsberichte in der GartenFlora
Aus Kostengründen wurde die Erscheinungsweise des Vereinsbeitrages in der GartenFlora reduziert.
Anstelle eines monatlichen Artikels sollte der Vereinsbericht künftig nur noch alle zwei Monate erscheinen.
Wer pflegt eigentlich Gräben und Pachtflächen?
Ein altes Problem blieb ungelöst.
Die Pflege verschiedener gepachteter Flächen durch die Stadt Wedel wurde mehrfach im UBF-Ausschuss angesprochen.
Besonders die Gräben in Corsland, Nieland und Brünschen wurden nach Auffassung des Vereins nicht ausreichend gereinigt.
Die vorausgegangene Pachterhöhung hatte die Kleingärtner verständlicherweise auch nicht gerade motiviert, zusätzlich Aufgaben zu übernehmen, die sie eigentlich bei der Stadt sahen.
Die Frage, wer für welche Arbeiten zuständig war, blieb damit weiterhin konfliktträchtig.
Das Bankeinzugsverfahren muss sich einspielen
Die neue Zahlungsweise wurde von der großen Mehrheit angenommen.
Lediglich rund 140 Mitglieder beteiligten sich zunächst nicht am Bankeinzug.
Kurioserweise überwiesen sogar einige Mitglieder ihre Rechnung weiterhin selbst, obwohl gleichzeitig eine Einzugsermächtigung vorlag.
Wie bei vielen technischen und organisatorischen Neuerungen brauchte auch diese Umstellung etwas Zeit.
2002 – Beitragserhöhung und sintflutartige Regenfälle
Nach zehn Jahren müssen die Beiträge steigen
Die finanzielle Situation des Vereins machte eine grundsätzliche Entscheidung erforderlich.
Nach Darstellung des 1. Vorsitzenden Hans-Jürgen Schaumburg standen Einnahmen und Ausgaben nicht mehr in einem ausreichenden Verhältnis.
Eine nennenswerte Anpassung der Beiträge lag inzwischen viele Jahre zurück.
Der erweiterte Vorstand empfahl deshalb eine Erhöhung um 7 Euro.
Die Mitgliederversammlung stimmte mit großer Mehrheit zu.
Die neuen Jahresbeiträge betrugen damit:
•
30 € für Pächter,
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19 € für Bewerber,
•
12 € für Familienmitglieder und
•
12 € für passive Mitglieder.
Die Aufnahmegebühr blieb bei 15 €.
Mit der inzwischen eingeführten europäischen Gemeinschaftswährung hatte die D-Mark damit auch in der laufenden Vereinsabrechnung endgültig ausgedient.
Mitgliederzahl sinkt auf 631
Die Mitgliederentwicklung verlief dagegen weniger erfreulich.
Der Verein zählte nur noch 631 Mitglieder.
Darunter waren:
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32 passive Mitglieder,
•
146 Familienmitglieder und
•
20 Bewerber.
Erstmals seit längerer Zeit konnten außerdem zwei Parzellen nicht unmittelbar neu vergeben werden.
Damit wurden zunächst nur noch 431 Parzellen bewirtschaftet.
Neue Wertermittler für den Verein
Im April nahmen acht Gartenfreunde erfolgreich an einem Wertermittlungslehrgang in Kiel teil.
Damit standen zusätzliche ausgebildete Mitglieder zur Verfügung, die bei Bedarf die Wertermittlungskommission verstärken konnten.
Die Wertermittlung eines Gartens beim Pächterwechsel war eine verantwortungsvolle Aufgabe. Schließlich beeinflusste die Wertermittlung unmittelbar die finanziellen Interessen des abgebenden und des neuen Pächters.
Der UBF besichtigt die Gräben
Der 1. Vorsitzende nahm regelmäßig an Sitzungen des Umwelt-, Bau- und Feuerwehrausschusses teil und vertrat dort die Interessen der Kleingärtner.
Der Ausschuss machte sich schließlich selbst ein Bild von der Situation.
Bei einer Ortsbesichtigung wurden die Gräben im Corsland und in den Brünschen betrachtet. Eine Ausschusssitzung fand unmittelbar vor Ort statt.
Damit gelangte ein seit Jahren diskutiertes Problem aus den Vereinsprotokollen direkt auf die kommunalpolitische Ebene.
Zweimal Starkregen im August
Im August 2002 wurde Wedel von zwei außergewöhnlich starken Regenereignissen getroffen.
Besonders betroffen waren die Kolonien
Autal, Brünschen und Nieland.
In den Brünschen reagierte man unmittelbar und baute eine neue Drainage ein.
Für das Nieland wurde gemeinsam mit der Stadtentwässerung ein Konzept entwickelt, das später umgesetzt wurde.
Die wiederkehrenden Überflutungen gehörten damit auch im neuen Jahrhundert weiterhin zu den größten infrastrukturellen Problemen einzelner Anlagen.
Wieder Einbrüche
Auch Einbrüche belasteten den Verein erneut.
Besonders betroffen waren diesmal Schlödelsweg, Autal und Nieland.
Der Vorstand appellierte an die Mitglieder, jeden Einbruch bei der Polizei anzuzeigen.
Nur wenn die Delikte tatsächlich erfasst wurden, konnte das tatsächliche Ausmaß sichtbar werden.
Säumige Zahler bleiben ein Dauerproblem
Das Bankeinzugsverfahren erleichterte zwar viele Arbeitsabläufe.
Doch ein anderes Problem blieb:
Mitglieder, die ihre Rechnungen überhaupt nicht rechtzeitig bezahlten.
Für den Rechnungsführer bedeutete jede Mahnung zusätzliche Arbeit.
Die Technik hatte sich verändert – das Problem säumiger Zahler offensichtlich nicht.
40 Jahre Nieland
Auch gefeiert wurde.
Die Kolonie Nieland beging ihr 40-jähriges Bestehen.
Das Fest fand zwar bei Regen statt, doch davon ließen sich die Kleingärtner nicht abschrecken.
Zweiter Platz beim Hafenfest
Für den Umzug beim Wedeler Hafenfest wurde erneut ein Festwagen des Vereins gestaltet.
Die Mühe zahlte sich aus.
Bei der späteren Bewertung erreichte der Schrebergarten-Verein Wedel den zweiten Platz.
2003 – Gemeinschaftssinn und große Unterschiede beim Wasserverbrauch
Mitgliederzahl sinkt auf 620
Der Rückgang setzte sich fort.
2003 gehörten noch 620 Mitglieder dem Verein an.
Darunter waren:
•
27 passive Mitglieder,
•
133 Familienmitglieder und
•
27 Bewerber.
Auffällig war, dass der Rückgang weniger die Zahl der Pächter als vielmehr die Familienmitgliedschaften betraf.
Neue Vertretung im UBF
Nach den Kommunalwahlen wurde auch der Umwelt-, Bau- und Feuerwehrausschuss neu besetzt.
Der Verein benannte Jörn Stührenberg, damit die Interessen der Wedeler Kleingärtner auch im neu zusammengesetzten Ausschuss weiterhin vertreten waren.
Das Vereinshaus Nieland wird wiederholt Ziel von Einbrechern
Einbrüche blieben ein ernstes Thema.
Besonders das Vereinshaus Nieland wurde wiederholt heimgesucht.
Für den Verein bedeuteten solche Vorfälle nicht nur Schäden und Versicherungsfälle, sondern auch zusätzlichen Verwaltungs- und Reparaturaufwand.
Gemeinschaftsarbeit wird anders abgerechnet
Der Rechnungsbetrag für nicht geleistete Gemeinschaftsarbeit wurde 2003 letztmals zentral über die Vereinsrechnung eingezogen.
Ab 2004 sollten die Obleute beziehungsweise Kassenwarte der Kolonien selbst für die Einziehung dieser Beträge zuständig sein.
Damit wurde ein arbeitsintensiver Verwaltungsbereich vom Gesamtverein stärker auf die Kolonieebene verlagert.
Ein gutes Vereinsleben in den Kolonien
Der 1. Vorsitzende Hans-Jürgen Schaumburg zog trotz aller Probleme eine positive Bilanz.
In den einzelnen Kolonien werde ein reges Vereinsleben gepflegt.
Der Gemeinschaftssinn, mit dem die Anlagen gehegt und gepflegt würden, sei ein Zeichen dafür, dass sich der Verein auf dem richtigen Weg befinde.
Diese Gemeinschaft sollte auch 2004 weiter gepflegt werden.
Corsland verbraucht doppelt so viel Wasser wie Heldenhain I
Beim Wasserverbrauch zeigten sich gleichzeitig enorme Unterschiede.
Für Corsland wurde ein durchschnittlicher Verbrauch von ungefähr 50 m³ je Parzelle festgestellt.
In Heldenhain I, wo Einzelwasserzähler installiert waren, waren es nur etwa 24 m³ je Parzelle.
Damit verbrauchten die Corsland-Parzellen im Durchschnitt mehr als doppelt so viel Wasser.
Der Vergleich lieferte dem Vorstand ein sehr anschauliches Argument für Einzelwasserzähler.
Im Corsland bestand allerdings noch keine Mehrheit für die Umstellung.
Diese sollte erst Jahre später erfolgen.
Neue Versicherung für die Vereinshäuser
Bei einem Besuch des Partnervereins in Elmschenhagen war ein Kontakt zur Provinzial-Versicherung Schleswig-Holstein entstanden.
Das daraus entwickelte Angebot für die Versicherung der Vereinshäuser erschien zunächst so günstig, dass kein konkurrierender Versicherer mithalten konnte.
Im folgenden Jahr sollte sich allerdings zeigen, dass die tatsächlichen Kosten höher lagen als ursprünglich angenommen.
Brunnen bis zwölf Meter Tiefe
Auch die Nutzung privater Brunnen wurde angesprochen.
Nach damaliger Auskunft gegenüber der Mitgliederversammlung konnten Brunnen bis zu einer Tiefe von zwölf Metern ohne Anzeige errichtet werden.
Diese Angabe gibt den damaligen Informationsstand der Vereinsunterlagen wieder und sollte nicht ohne erneute rechtliche Prüfung auf heutige Verhältnisse übertragen werden.
2004 – Strom für Brünschen und steigende Kosten
Noch 616 Mitglieder
Die Mitgliederzahl ging erneut leicht zurück.
2004 gehörten 616 Mitglieder dem Verein an.
Wie bereits im Vorjahr zeigte sich der Rückgang hauptsächlich bei den Familienmitgliedschaften.
Endlich Strom im Vereinshaus Brünschen
Das Vereinshaus in den Brünschen erhielt einen eigenen Stromanschluss.
Die Kosten betrugen rund 2.200 Euro.
Damit wurde ein weiterer Schritt bei der technischen Modernisierung der gemeinschaftlich genutzten Gebäude abgeschlossen.
Gemeinnützigkeit bestätigt
Die kleingärtnerische Gemeinnützigkeit wurde überprüft und weiterhin anerkannt.
Eine solche Anerkennung ist für Kleingärtnerorganisationen von grundlegender Bedeutung. Das Bundeskleingartengesetz verlangt unter anderem die Eintragung im Vereinsregister, die regelmäßige Überprüfung der Geschäftsführung sowie die satzungsmäßige Förderung des Kleingartenwesens.
Sauberes Schleswig-Holstein
Auch 2004 wurde wieder zur Aktion „Sauberes Schleswig-Holstein“ aufgerufen.
Die Stadt informierte den Verein und interessierte Gartenfreunde konnten sich zur Teilnahme melden.
Damit setzte sich das Engagement außerhalb der eigenen Gartenparzellen fort.
Eine hohe Wasserrechnung
Die Wasserrechnung fiel erheblich höher als erwartet aus.
Die geleisteten Vorauszahlungen reichten nicht aus und der Verein musste gegenüber den Stadtwerken nachzahlen.
Besonders im Nieland fiel eine ungewöhnlich hohe Differenz zwischen erfasstem Gesamtverbrauch und den Einzelwerten auf.
Die sogenannte Schwundmenge betrug 321,5 m³.
Solche Differenzen konnten auf Leitungsverluste, Messunterschiede oder andere Ursachen hinweisen und bedeuteten in jedem Fall Kosten, die irgendwo getragen werden mussten.
Die Versicherung wird deutlich teurer
Auch bei der Versicherung der Vereinshäuser gab es eine unangenehme Überraschung.
Die tatsächlichen Prämien lagen deutlich über den zunächst genannten Beträgen.
Für das Vereinshaus Nieland sollten statt ungefähr 280 Euro nun rund 530 Euro pro Jahr bezahlt werden.
Für Brünschen wurden etwa 480 Euro jährlich fällig.
Trotzdem blieb die Provinzial nach damaliger Prüfung die günstigste Lösung.
Ein wesentlicher Kostentreiber war die Holzbauweise der Gebäude.
Die Vereinshäuser sollen sich selbst tragen
Seit 1993 galt weiterhin das Prinzip, dass sich die Vereinshäuser wirtschaftlich selbst tragen sollten.
Erwirtschaftete Überschüsse waren deshalb nicht als frei verfügbare Gewinne gedacht.
Sie sollten als Rücklagen für Reparaturen, Instandhaltung und spätere Neuanschaffungen erhalten bleiben.
Der Gesamtverein wollte bei größeren Schwierigkeiten zwar unterstützend eingreifen, die laufende Finanzierung der Häuser sollte aber grundsätzlich aus deren eigenem Betrieb erfolgen.
2005 – Ein schwarzer Freitag für den Verein
Die schwerste Führungskrise der Vereinsgeschichte
Der 18. Februar 2005 gehört zu den dramatischsten Daten der bisherigen Vereinsgeschichte.
Zeitweise stand nichts weniger als die Handlungsfähigkeit des gesamten Schrebergarten-Verein Wedel auf dem Spiel.
Die Ursachen lagen bereits im Vorjahr.
Im August 2004 war aus dem erweiterten Vorstand heraus eine außerordentliche Sitzung verlangt worden. Eine Unterschriftenliste verlieh dieser Forderung zusätzlich Gewicht.
Der geschäftsführende Vorstand entsprach dem Wunsch.
Was folgte, waren heftige und zum Teil offenbar sehr emotional geführte Diskussionen.
Streit um einen Laptop
Ein Auslöser des Konfliktes war die Anschaffung eines Laptops für die Vereinsarbeit.
Dem Vorstand wurde vorgeworfen, die Ausgabe sei nicht ordnungsgemäß genehmigt worden.
Im Raum stand sogar der Vorwurf einer Veruntreuung.
Vorstand und Revision erläuterten jedoch, dass die Anschaffung in den Vereinsfinanzen enthalten gewesen sei. Die Ausgabe sei lediglich dem falschen Buchungsposten – Büromaterial – zugeordnet worden.
Damit lag nach dieser Darstellung ein Zuordnungsfehler, aber keine verschwiegene Ausgabe vor.
Dennoch wurde dem Vorstand zunächst das Misstrauen ausgesprochen.
Hans-Jürgen Schaumburg zieht Konsequenzen
Der langjährige 1. Vorsitzende Hans-Jürgen Schaumburg erklärte daraufhin, unter diesen Bedingungen den Verein nicht weiter führen zu können, und stellte sein Amt zur Verfügung.
Auch eine spätere Sitzung, in der dem Vorstand wieder das Vertrauen ausgesprochen wurde, änderte an seiner Entscheidung zunächst nichts.
Im September 2004 erklärte zusätzlich der 2. Vorsitzende seinen Rücktritt.
Auch die Schriftführerin trat zurück.
Der Rechnungsführer wollte sich nicht erneut zur Wahl stellen.
Damit drohte dem Verein der vollständige Verlust eines handlungsfähigen geschäftsführenden Vorstandes.
Das Amtsgericht muss eingreifen
Das Protokoll der Mitgliederversammlung vom 18. Februar 2005 wurde dem Amtsgericht Pinneberg vorgelegt.
Um den Verein zunächst geschäftsfähig zu halten, wurde der frühere Vorsitzende Hans-Jürgen Schaumburg als Notvorstand eingesetzt.
Seine Bestellung war bis zum 30. Juni 2005 befristet.
Bis zu diesem Zeitpunkt musste ein regulärer geschäftsführender Vorstand gefunden werden.
Die Lage war ernst.
Ohne Vorstand konnte ein eingetragener Verein seine notwendigen Rechtsgeschäfte und Pflichten nicht ordnungsgemäß wahrnehmen.
Was hätte eine Auflösung bedeutet?
In der Mitgliederversammlung wurde deutlich gemacht, welche Folgen ein dauerhaft führungsloser Verein haben könnte.
Neben den Kosten einer gerichtlich eingesetzten Verwaltung stand sogar die Zukunft des Gesamtvereins im Raum.
Für die Kleingärtner hätte eine Auflösung besonders weitreichende Folgen haben können.
Der Hauptpachtvertrag über die Flächen bestand zwischen Stadt und Verein.
Eine Rückgabe der Pachtflächen hätte deshalb nicht lediglich bedeutet, dass ein Vereinsname aus dem Register verschwindet.
Nach den damaligen Befürchtungen hätten die Anlagen in einen von der Stadt geforderten Zustand zurückversetzt werden müssen.
Für viele Parzellen hätte das im schlimmsten Fall die Beseitigung von Lauben, Einrichtungen und Anpflanzungen bedeutet – im Kleingärtnerjargon: die Flächen wären „schwarz zu machen“ gewesen.
„Ist allen klar, was hier gerade passiert?“
Herr Napiwotzki, Stadtvertreter und zugleich Vereinsmitglied, richtete eine entscheidende Frage an die Versammlung:
War allen Beteiligten tatsächlich bewusst, welche Entwicklung gerade in Gang gesetzt worden war?
Er zeigte sich zugleich enttäuscht darüber, dass der Verein nach außen keine Geschlossenheit demonstrierte.
Nieland denkt über einen eigenen Verein nach
Die Führungskrise führte sogar dazu, dass in den Kolonien Nieland 1 bis 3 über eine eigene Vereinsgründung nachgedacht wurde.
Der Schrebergarten-Verein Wedel sollte dabei lediglich eine Art Dachverband bleiben.
Nach Auffassung des Gesamtvereins war ein solches Modell jedoch weder mit der Satzung noch mit den bestehenden Pachtverhältnissen vereinbar.
Der Hauptpachtvertrag bestand schließlich zwischen der Stadt Wedel und dem Schrebergarten-Verein.
Einzelne Kolonien konnten sich deshalb nicht einfach aus diesem Vertragsgefüge herauslösen.
10. Juni 2005 – der Verein hat wieder einen Vorstand
Am 10. Juni 2005 konnte schließlich Entwarnung gegeben werden.
Auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung wurde ein neuer geschäftsführender Vorstand gewählt.
Max Pohlmann wurde neuer 1. Vorsitzender.
Volker Pelker übernahm das Amt des 2. Vorsitzenden.
Dirk Augner wurde Rechnungsführer.
Martina Retelsdorf wurde Schriftführerin.
Damit war die unmittelbar drohende Führungskrise beendet.
Der Verein war wieder vollständig handlungsfähig.
2006 – Eine neue Gefahr für das Nieland
Mitgliederzahl sinkt unter 600
2006 gehörten dem Verein noch 595 Mitglieder an.
Darunter befanden sich:
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428 Pächter,
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29 passive Mitglieder,
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121 Familienmitglieder und
•
17 Bewerber.
Sieben Parzellen waren zum Zeitpunkt der Erhebung noch nicht wieder vergeben.
Damit war der Rückgang inzwischen deutlich sichtbar.
Bessere Orientierung für Rettungskräfte
Der Verein investierte in eine einheitlichere Beschilderung seiner Anlagen.
Hinweisschilder sollten Feuerwehr und Rettungsdiensten helfen, die einzelnen Kolonien schneller zu finden.
Zusätzlich erhielten die Parzellen gut erkennbare Parzellennummern.
Ab März wurden entsprechende Schilder über die Obleute verteilt und während der Gemeinschaftsarbeit angebracht.
Die Maßnahme diente damit nicht nur der Ordnung.
Sie konnte im Notfall wertvolle Zeit sparen.
Pacht steigt um zwei Cent
Nach fünf Jahren erhöhte die Stadt Wedel den Pachtzins erneut.
Die Erhöhung fiel mit zwei Cent je Quadratmeter und Jahr vergleichsweise moderat aus.
Nach einer mündlichen Vereinbarung sollte es anschließend für drei bis fünf Jahre keine weitere Erhöhung geben.
Rechtsschutz für den Verein
Der erweiterte Vorstand beschloss den Abschluss einer Rechtsschutzversicherung.
Der Vertrag sollte zunächst für drei Jahre gelten.
Hintergrund waren insbesondere mögliche gerichtliche Auseinandersetzungen bei
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Kündigungen von Pachtverhältnissen oder
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Klagen gegen den Verein.
Nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre wollte man mögliche Prozesskosten künftig besser kalkulieren können.
Neue Wertermittler und Besuch beim Partnerverein
Drei Vereinsmitglieder nahmen im Februar erneut erfolgreich an einem Wertermittlungslehrgang in Kiel-Elmschenhagen teil.
Im Sommer absolvierte der neue 1. Vorsitzende Max Pohlmann außerdem seinen Antrittsbesuch beim Partnerverein in Elmschenhagen.
Nieland 2 und 3 geraten ins Visier der Stadtplanung
Dann kündigte sich eine Entwicklung an, die den Verein über Jahre beschäftigen sollte.
Die Stadt Wedel plante eine Neuordnung ihrer Gewerbeflächen.
Dafür sollten auch Flächen der Kolonien Nieland 2 und Nieland 3 in Anspruch genommen werden.
Bereits 2006 begann der entsprechende Schriftverkehr zwischen Stadt und Verein.
Die Planung war keine bloße Befürchtung des Vereins. Der offizielle Flächennutzungsplan der Stadt Wedel beschreibt ausdrücklich, dass die Umsiedlung von Teilflächen der Kleingartenkolonie Nieland zugunsten der Schaffung gewerblicher Flächen vorgesehen war. Die Stadt begründete ihren Flächenbedarf unter anderem mit begrenzten innerstädtischen Entwicklungsmöglichkeiten.
Der Verein legt Einspruch ein
Am 11. Mai 2006 meldete der Schrebergarten-Verein offiziell Bedenken gegen die Planung an.
Der Vorstand trug Gründe vor, die geplante Fortschreibung des Flächennutzungsplanes zugunsten des Erhalts der Kleingartenflächen zu verändern.
Auch die betroffenen Pächter sollten einbezogen werden.
Sie erhielten Fragebögen, in denen sie ihre
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Meinungen,
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Bedenken und
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Anregungen
zur Planung äußern konnten.
Damit begann ein mehrere Jahre dauernder Prozess um die Zukunft des Nielands.
2007 – Die Zukunft von Nieland 2 und 3 wird konkret
Satzung und Ordnungen werden angepasst
Auf der Mitgliederversammlung wurden verschiedene Satzungs- und Ordnungsänderungen beschlossen.
In der Beitragsordnung wurden beispielsweise noch aus der Euro-Umstellung resultierende ungewöhnliche Beträge auf praktikablere Werte aufgerundet.
Außerdem wurde in der Satzung festgelegt, dass der Vertreter des Vereins im UBF künftig durch die Mitgliederversammlung gewählt werden sollte.
Auch die Ruhezeiten wurden diskutiert.
Der Vorstand erläuterte, dass gerade außerhalb der ausdrücklich genannten Ruhezeiten häufig der Eindruck entstanden war, Lärm sei uneingeschränkt zulässig.
Rauchen in den Vereinshäusern
Auch das Rauchen in Vereinshäusern wurde angesprochen.
Ein entsprechendes Verbot konnte jedoch nicht durch die allgemeine Mitgliederversammlung beschlossen werden.
Nach damaliger Vereinsauffassung mussten darüber die jeweiligen Vereinshäuser beziehungsweise deren zuständige Gremien selbst entscheiden.
Zwei Gemeinnützigkeitsprüfungen
2007 standen gleich zwei wichtige Prüfungen an:
die kleingärtnerische Gemeinnützigkeit und die steuerliche Gemeinnützigkeit.
Die Vereinsunterlagen berichten, dass sowohl die Prüfung durch die zuständige kommunale Stelle als auch die finanzielle Überprüfung ohne Beanstandungen verliefen.
Die kleingärtnerische Gemeinnützigkeit ist im Bundeskleingartengesetz ausdrücklich geregelt und unter anderem an eine regelmäßige Prüfung der Geschäftsführung geknüpft.
Die Stadt braucht Gewerbeflächen
Währenddessen wurde die Nieland-Frage immer konkreter.
Die Stadt benötigte Flächen, um ansiedlungswilligen Unternehmen kurzfristiger Gewerbegrundstücke anbieten zu können.
Die Wedeler Stadtplanung bestätigt diesen grundsätzlichen Hintergrund. Im Flächennutzungsplan wird die eingeschränkte Verfügbarkeit innerstädtischer Flächen ausdrücklich als Problem bezeichnet und die Verlagerung von Teilen der Kleingartenkolonie Nieland als Bestandteil der gewerblichen Flächenentwicklung aufgeführt.
Gespräche mit den Obleuten
Nach einem Treffen mit Stadtvertretern am 3. Oktober wurden die Obleute von Nieland 2 und 3 am 11. Oktober 2007 ausführlich über den Stand der Dinge informiert.
Zu diesem Zeitpunkt lagen lediglich sieben Erklärungen von Pächtern vor, die bereit waren, in eine andere Kolonie umzuziehen.
Das stellte den Verein vor ein Problem.
Die Stadt hatte noch keine konkreten Ersatzflächen bereitgestellt.
Eine umfassende Umsiedlungsplanung war deshalb kaum möglich.
Nieland-Pächter bekommen Vorrang
Um dennoch helfen zu können, beschloss der Verein eine pragmatische Lösung.
Pächter aus Nieland 2 und 3, die weiterhin einen Kleingarten bewirtschaften wollten, sollten bei frei werdenden Parzellen in anderen Kolonien vorrangig berücksichtigt werden.
Damit mussten sie sich nicht hinter normalen Gartenbewerbern einreihen.
Die Kündigung zeichnet sich ab
Nach damaligem Planungsstand sollte die Stadt die Pachtflächen im Februar 2009 kündigen.
Die Rückgabe war für Ende November 2009 vorgesehen.
Damit stand erstmals ein konkreter Zeitplan im Raum.
Wie viel ist ein Garten wert?
Von großer Bedeutung war nun die Entschädigung der Pächter.
Der Verein bereitete sich deshalb intensiv auf die Schätzungen vor.
Die eigenen Schätzungen sollten anhand der gerade aktualisierten Richtlinien überprüft werden.
Zusätzlich war vorgesehen, einzelne Ergebnisse von unabhängigen Sachverständigen beziehungsweise Schätzern des Katasteramtes Elmshorn kontrollieren zu lassen.
Die Vergleichsschätzungen kosteten nach den Vereinsunterlagen ungefähr 400 Euro pro Parzelle.
Der Aufwand erschien dem Vorstand gerechtfertigt.
Schließlich ging es darum, gegenüber der Stadt eine möglichst belastbare Grundlage für die Entschädigungen zu besitzen.
Geräumt – aber noch nicht zurückgegeben
Eine zusätzliche Schwierigkeit entstand dadurch, dass geräumte Parzellen nicht sofort aus der Verantwortung des Vereins fielen.
Bis zur endgültigen Rückgabe an die Stadt mussten die Flächen weiterhin gepflegt werden.
Freiwillige für diese Aufgabe ließen sich kaum finden.
Der Verein musste deshalb sogar Angebote gewerblicher Firmen für die notwendige Pflege einholen.
Wieder eine hohe Wassernachzahlung
Neben dem großen Nieland-Thema ging der normale Vereinsbetrieb weiter.
Nach einem stark gestiegenen Wasserverbrauch im Vorjahr musste der Verein ungefähr 1.700 Euro an die Stadtwerke nachzahlen.
Auch die Gartenzeitung wurde teurer.
Für 2007 wurden erstmals 16,40 Euro berechnet.
2008 – Abschied von einem Vorsitzenden und erste Entschädigungen
Der Verlust von Nieland rückt näher
Auch 2008 bestimmte die bevorstehende Auflösung von Nieland 2 und 3 große Teile der Vorstandsarbeit.
Der damalige Bürgermeister Nils Schmidt erläuterte nach den Vereinsunterlagen nochmals die Position der Stadt.
Wedel müsse für zukünftige Unternehmensansiedlungen ausreichend Gewerbeflächen vorhalten.
Arbeitsplätze sollten erhalten und neue Ansiedlungen ermöglicht werden.
Gleichzeitig wurde zugesagt, die betroffenen Kleingärtner angemessen zu entschädigen.
Im Haushalt waren dafür entsprechende Mittel vorgesehen.
Mehr als 105.000 Euro bereits ausgezahlt
Noch vor der endgültigen Rückgabe wurden erste Entschädigungen geleistet.
Nach den Vereinsunterlagen waren 2008 bereits 105.093 Euro ausgezahlt worden.
Damit wurde deutlich, welche finanzielle Dimension die Räumung der beiden Kolonien hatte.
Ersatz für mindestens 15 Gärten
Der Verein verlangte im Gegenzug für den Verlust der Flächen Ersatzland.
Im Raum stand eine Ersatzfläche für 15 Parzellen.
Dieser Punkt lässt sich unabhängig durch den späteren Bebauungsplan Nr. 47 bestätigen.
Die Stadt dokumentiert dort, dass zu Beginn des Bebauungsplanverfahrens zunächst ein Ersatzbedarf von 30 Kleingärten bestand. Später wurde für fünf Jahre eine Option auf den Ersatz von mindestens 15 Kleingärten festgehalten.
Damit bestätigt die offizielle Stadtplanung einen wesentlichen Teil der Vereinsüberlieferung.
Umsiedlungslisten
Für die Pächter aus Nieland 2 und 3 wurden sogenannte Umsiedlungslisten geführt.
Wer seinen Garten verlor und weiterhin Kleingärtner bleiben wollte, hatte bei frei werdenden Parzellen Vorrang vor regulären Bewerbern.
Dadurch entstand für den Verein ein erheblicher zusätzlicher Verwaltungsaufwand.
Jeder frei werdende Garten musste darauf geprüft werden, ob er für einen umzusiedelnden Pächter infrage kam.
Tod von Max Pohlmann
Das Jahr brachte gleichzeitig einen schweren persönlichen Verlust.
Der 1. Vorsitzende Max Pohlmann verstarb.
Krankheitsbedingt hatte er sein Amt bereits längere Zeit nicht vollständig ausüben können.
Die verbliebenen drei Mitglieder des geschäftsführenden Vorstandes hatten die Vereinsarbeit währenddessen weitergeführt.
Andreas Neumerkel wird neuer Vorsitzender
Auf der Jahresmitgliederversammlung am 10. März 2008 wurde deshalb ein neuer 1. Vorsitzender gewählt.
Andreas Neumerkel erhielt 136 von 158 Stimmen.
Er übernahm zunächst die noch verbleibende Amtszeit seines verstorbenen Vorgängers.
Damit bekam der Verein mitten in der schwierigen Nieland-Phase erneut eine neue Führung.
Brünschen: Ursache des Wassers weiterhin unbekannt
Auch die Wasserprobleme der Brünschen blieben ungelöst.
Trotz Beteiligung der
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Stadt Wedel,
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Stadtentwässerung Wedel und
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Hamburger Wasserwerke
4.
konnte die Ursache eines Wasseraustritts nach den Vereinsunterlagen weiterhin nicht abschließend festgestellt werden.
5.
Den betroffenen Pächtern wurden zumindest die Pachtzahlungen erstattet.
Zu viel Schatten im Corsland
Bei Begehungen von Corsland 1 bis 3 gab es ansonsten nur wenige Beanstandungen.
Ein Problem trat jedoch immer wieder auf:
zu hohe Bäume und starke Beschattung.
Teilweise litten angrenzende Gärten so stark unter dem Schatten, dass ihre kleingärtnerische Nutzung beeinträchtigt wurde.
Eine erste Begehung mit einer Mitarbeiterin der Stadt brachte noch keine Einigung.
Deshalb sollte das Thema 2009 gemeinsam mit Politik und Verwaltung erneut vor Ort behandelt werden.
34 Gärten werden geschätzt
Die Wertermittlungskommission hatte reichlich Arbeit.
Allein 2008 wurden 34 Gärten geschätzt.
Da die Mitglieder der Kommission diese Arbeit ehrenamtlich zusätzlich zu ihrem Berufsleben erledigten, wurde die Terminfindung zunehmend schwierig.
Ein weiteres Mitglied sollte deshalb als Springer eingesetzt werden.
Auch das Verfahren selbst wurde organisatorisch verbessert.
Wertermittlungsberichte gingen künftig zunächst an den Vorsitzenden der Schätzkommission und anschließend an den Schriftführer, der die entsprechenden Anschreiben erstellte und an die ausscheidenden Pächter verschickte.
2009 – Abschied von Nieland 2 und 3
Die Rückgabe wird abgeschlossen
2009 endete ein Prozess, der den Verein mehrere Jahre beschäftigt hatte.
Die Flächen von Nieland 2 und Nieland 3 wurden endgültig an die Stadt Wedel zurückgegeben.
Damit verschwanden zwei Koloniebereiche aus dem Bestand des Schrebergarten-Verein Wedel.
Offizielle Planungsunterlagen der Stadt bestätigen diesen Vorgang grundsätzlich. Im Bebauungsplan Nr. 47 wird ausdrücklich festgehalten, dass der Verlust der Kleingartenfläche mit dem Verein über einen Pachtaufhebungsvertrag mit Entschädigungsregelung geregelt wurde.
Die Stadtplanung sah das Areal anschließend als Gewerbefläche beziehungsweise als Teil einer entsprechenden gewerblichen Entwicklung vor.
Fast eine halbe Million Euro
Nach den Vereinsunterlagen zahlte die Stadt für die Rückgabe und die damit verbundenen Entschädigungen insgesamt 390.333 Euro.
Hinzu kamen weitere Sonderzahlungen von rund 105.000 Euro, die bis zum Jahresende geleistet wurden.
Damit bewegte sich der Gesamtbetrag in einer Größenordnung von nahezu einer halben Million Euro.
Die Summe zeigt, welchen wirtschaftlichen Wert nicht nur die Flächen selbst, sondern auch die auf den Parzellen vorhandenen Lauben, Einrichtungen und Anpflanzungen hatten.
Mitgliederzahl fällt auf 473
Die Folgen der Aufgabe von Nieland 2 und 3 wurden unmittelbar in der Mitgliederstatistik sichtbar.
Die Zahl der Vereinsmitglieder sank auf 473.
Damit verlor der Verein innerhalb kurzer Zeit einen erheblichen Teil seiner bisherigen Größe.
Ein Teil der Nieland-Pächter konnte zwar in andere Kolonien wechseln.
Für viele bedeutete die Räumung jedoch das Ende ihrer Zeit als aktive Kleingärtner im Verein.
Die Stadtplanung bestätigt den Flächenverlust
Der später beschlossene Bebauungsplan Nr. 47 dokumentiert den Vorgang ungewöhnlich deutlich.
Dort wird beschrieben, dass das Gebiet zuvor teilweise als öffentliche Grünfläche mit der Zweckbestimmung Dauerkleingärten ausgewiesen war und zugunsten der gewerblichen Entwicklung verändert wurde.
Die Planung hält außerdem fest, dass bei Nichtdurchführung des Vorhabens die Dauerkleingärten erhalten geblieben wären.
Damit lässt sich einer der wichtigsten Vorgänge der Vereinschronik der 2000er-Jahre heute sehr gut anhand unabhängiger kommunaler Quellen nachvollziehen.
Schon droht die nächste Flächenfrage
Kaum war die Nieland-Frage abgeschlossen, tauchte bereits das nächste mögliche Problem auf.
Auf der Jahreshauptversammlung wurde die geplante Nordumgehung Wedels angesprochen.
Nach damaligem Informationsstand könnten von einer solchen Trassenführung die Kolonien
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Autal 1,
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Autal 2 und
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Heldenhain 2
betroffen sein.
Konkrete Aussagen waren zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht möglich.
Die Planung befand sich noch in einem frühen Stadium.
Dass eine nördliche Umfahrung tatsächlich Bestandteil der damaligen Wedeler Verkehrsplanung war, wird auch in späteren offiziellen Unterlagen der Stadt bestätigt. Der Flächennutzungsplan sah eine nördliche Umfahrung der Wedeler Altstadt vor.
25 Bäume im Corsland
Auch die starke Beschattung im Corsland wurde 2009 erneut aufgegriffen.
Beim UBF wurde ein Antrag gestellt, ungefähr 25 Bäume zu fällen beziehungsweise fachgerecht zurückzuschneiden.
Am 4. Juni 2009 fand eine gemeinsame Begehung mit dem Vorstand und Mitgliedern des UBF-Ausschusses statt.
Vor Ort konnten sich die politischen Vertreter ein Bild davon machen, wie stark einzelne Parzellen durch angrenzende Bäume beschattet wurden.
Das Anliegen des Vereins fand grundsätzlich Zustimmung.
Eine kleinere Arbeitsgruppe aus
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Stadtverwaltung,
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UBF,
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Vereinsvorstand,
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Forstfachleuten und
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Landschaftsbau
erarbeitete anschließend konkrete Lösungsvorschläge.
Die beschlossenen Arbeiten sollten im Januar und Februar 2010 umgesetzt werden.
Ruhezeiten nur noch während der Gartensaison
Auch die Gartenordnung wurde geändert.
Bis dahin galten die Ruhezeiten ganzjährig.
Auf Antrag beschloss die Mitgliederversammlung nun eine zeitliche Begrenzung.
Künftig galten die besonderen Vereinsruhezeiten vom
1. April bis 30. September.
Außerhalb dieses Zeitraumes bestanden diese vereinsinternen Ruhezeiten nicht mehr.
Eine wilde Müllhalde kostet 1.630 Euro
Die Räumung von Nieland 2 und 3 brachte auch unangenehme Begleiterscheinungen mit sich.
Auf dem Parkplatz wurden Abfälle zurückgelassen und innerhalb kürzester Zeit entstand eine wilde Müllablagerung.
Verantwortlich wollte anschließend niemand gewesen sein.
Der Verein musste die Entsorgung veranlassen.
Die Kosten beliefen sich auf 1.630 Euro.
Da es sich vor allem um Kunststoffabfälle handelte, war die Entsorgung besonders teuer.
Der Betrag wurde aus den Ausbaukassen der betreffenden Kolonien finanziert.
Eine neue Mitgliederverwaltung
Während auf der einen Seite alte Kolonien verschwanden, ging die technische Modernisierung der Vereinsverwaltung weiter.
Eine neue Software für die Mitgliederverwaltung sollte angeschafft werden.
Zum Zeitpunkt der Jahreshauptversammlung befand sich bereits eine Testversion im Einsatz.
Die Software sollte
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Mitglieder- und Parzellendaten besser verwalten,
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die Vorstandsarbeit vereinfachen und
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Informationen schneller verfügbar machen.
Zusätzlich war eine digitale Dokumentenablage vorgesehen.
Damit ging die Digitalisierung deutlich über die bereits 1998 eingeführte elektronische Buchführung hinaus.
Ein eigenes Vereinsbüro
Seit Dezember 2008 verfügte der Verein außerdem über ein eigenes Büro in der Bahnhofstraße 27.
Bis dahin waren viele Verwaltungsarbeiten unter eher provisorischen Bedingungen im Vereinshaus Nieland erledigt worden.
Das neue Vereinsbüro sollte eine zentrale Anlaufstelle schaffen.
Ab März 2009 fanden dort auch die Vorstandssprechstunden statt.
Mit einem eigenen Büro, elektronischer Buchführung, digitaler Mitgliederverwaltung und geplanter Dokumentenablage hatte sich die Vereinsverwaltung innerhalb eines Jahrzehnts grundlegend verändert.
Ersatzflächen bleiben ein Thema
Die ursprünglich für 2010 diskutierte Bereitstellung von Ersatzflächen war inzwischen nicht mehr sicher.
Der erweiterte Vorstand beschloss deshalb am 13. Januar 2009, auf eine Verlängerung des Anspruchs hinzuwirken.
Für den Fall, dass der Verein auf die Ersatzfläche verzichten würde, sollte stattdessen eine Entschädigung von 15.000 Euro vereinbart werden.
Die spätere städtische Planung bestätigt zumindest den Kern dieser Entwicklung: Statt eines sofortigen vollständigen Ersatzes wurde letztlich eine zeitlich befristete Option auf mindestens 15 Ersatzgärten vorgesehen.
Gemeinsam zur Bundesgartenschau
Bei all den schwierigen Themen sollte auch die Gemeinschaft nicht zu kurz kommen.
Für Vorstand und erweiterten Vorstand war eine Fahrt zur Bundesgartenschau geplant.
Das Interesse war groß.
Die Fahrt fand am 22. August statt.
Anschließend traf man sich gegen einen Kostenbeitrag im Vereinshaus Nieland noch zu einem gemeinsamen Abendessen.
Damit endete ein außergewöhnlich arbeitsreiches und einschneidendes Jahr zumindest auch mit einem geselligen Ereignis.
Eine Bilanz der Jahre 2000 bis 2009
Die ersten zehn Jahre des neuen Jahrtausends gehören zu den wechselvollsten Abschnitten der Vereinsgeschichte.
Im Jahr 2000 begann das Jahrzehnt noch mit der Feier des 80-jährigen Vereinsjubiläums.
637 Mitglieder gehörten damals dem Schrebergarten-Verein Wedel an.
Infrastruktur und Verwaltung wurden Schritt für Schritt modernisiert. Vereinshäuser wurden saniert, Strom- und Wasseranschlüsse verbessert und Einzelwasserzähler zeigten eindrucksvoll, wie stark sich der Wasserverbrauch durch eine verursachergerechte Abrechnung reduzieren ließ.
Auch organisatorisch veränderte sich der Verein.
Nach der Einführung der elektronischen Buchführung Ende der 1990er-Jahre folgte das Bankeinzugsverfahren.
Am Ende des Jahrzehnts kamen eine moderne Mitgliederverwaltung, eine digitale Dokumentenablage und ein eigenes Vereinsbüro hinzu.
Aus einer jahrzehntelang weitgehend papiergestützten ehrenamtlichen Verwaltung entwickelte sich zunehmend eine zeitgemäße Vereinsorganisation.
Doch das Jahrzehnt hatte auch eine andere Seite.
Die Mitgliederzahlen begannen dauerhaft zurückzugehen.
2000 gehörten noch 637 Mitglieder zum Verein, 2006 waren es nur noch 595.
2009 sank die Zahl infolge der Aufgabe von Nieland 2 und 3 schließlich auf 473 Mitglieder.
2005 – der Verein steht am Abgrund
Der tiefste vereinsinterne Einschnitt ereignete sich 2005.
Nach schweren Auseinandersetzungen innerhalb der Vereinsführung standen zeitweise praktisch keine regulären Kandidaten mehr für den geschäftsführenden Vorstand zur Verfügung.
Ein Notvorstand musste eingesetzt werden.
Für einen Verein, dessen gesamte Pachtstruktur auf einem Vertrag mit der Stadt beruhte, war dies weit mehr als eine gewöhnliche Vorstandskrise.
Ohne handlungsfähige Vereinsführung hätte langfristig die Existenz der Organisation selbst auf dem Spiel stehen können.
Mit der Wahl eines neuen Vorstandes am 10. Juni 2005 gelang es schließlich, diese Krise zu überwinden.
2006 beginnt der Kampf um Nieland
Schon im folgenden Jahr entstand die nächste große Herausforderung.
Die Stadt Wedel plante neue Gewerbeflächen.
Betroffen waren Nieland 2 und Nieland 3.
Diesmal lässt sich die Entwicklung nicht nur aus den Vereinsprotokollen rekonstruieren.
Der offizielle Flächennutzungsplan der Stadt bestätigt ausdrücklich die geplante Verlagerung von Teilen der Kleingartenkolonie Nieland zugunsten gewerblicher Flächen.
Der später beschlossene Bebauungsplan Nr. 47 dokumentiert zudem, dass mit dem Schrebergarten-Verein ein Pachtaufhebungsvertrag mit Entschädigungsregelung geschlossen wurde.
Damit gehört dieser Abschnitt zu den am besten unabhängig dokumentierten Vorgängen der neueren Vereinschronik.
Von 30 Ersatzgärten bleiben mindestens 15 als Option
Auch die Frage der Ersatzflächen findet sich in den offiziellen Planungsunterlagen wieder.
Zu Beginn des Bebauungsplanverfahrens bestand nach Angaben der Stadt ein Ersatzbedarf von 30 Kleingärten.
Zum Ende des Verfahrens wurde stattdessen für einen Zeitraum von fünf Jahren eine Option auf den Ersatz von mindestens 15 Kleingärten festgehalten.
Dieser Punkt ist besonders interessant, weil er zeigt, wie sich die Verhandlungen im Verlauf mehrerer Jahre veränderten.
2009 endet eine Ära im Nieland
Mit der endgültigen Rückgabe von Nieland 2 und Nieland 3 im Jahr 2009 verschwanden schließlich Kleingartenflächen, die über Jahrzehnte Teil des Vereins gewesen waren.
Für die betroffenen Pächter bedeutete dies nicht nur den Verlust eines Grundstückes.
Viele hatten ihre Gärten über Jahre oder Jahrzehnte aufgebaut, Lauben errichtet, Bäume gepflanzt und einen erheblichen Teil ihrer Freizeit dort verbracht.
Einige konnten in andere Kolonien wechseln.
Andere beendeten ihre Mitgliedschaft.
Die Mitgliederzahl sank dadurch auf 473.
Fast neun Jahrzehnte nach Vereinsgründung wurde damit erneut sichtbar, dass Kleingartenflächen trotz jahrzehntelanger Nutzung nicht selbstverständlich auf Dauer erhalten bleiben.
Vom handschriftlichen Journal zur digitalen Verwaltung
Kaum ein anderer Bereich verdeutlicht den Wandel dieses Jahrzehnts so anschaulich wie die Vereinsverwaltung.
Noch bis Ende der 1990er-Jahre wurde die Buchführung in einem handschriftlichen Journal geführt.
Dann kam der Computer.
2000 folgte das Bankeinzugsverfahren.
2009 wurde bereits über spezialisierte Mitgliederverwaltungssoftware und eine digitale Dokumentenablage gesprochen. Die Pilotversion wurde von dem noch jungen Vereinsmitglied Rainer Zengel, er war erst seit 2006 Vereinsmitglied, entwickelt.
Gleichzeitig zog der Vorstand in ein eigenes Vereinsbüro.
Innerhalb von nur rund zehn Jahren hatte sich damit eine Verwaltungsstruktur entwickelt, die mit derjenigen früherer Vereinsgenerationen kaum noch vergleichbar war.
Ein Jahrzehnt zwischen Tradition und Veränderung
Die Jahre 2000 bis 2009 zeigen einen Verein zwischen zwei Welten.
Auf der einen Seite standen klassische kleingärtnerische Themen:
Wasserverbrauch, Gemeinschaftsarbeit, Gartenbegehungen, Schätzungen, Vereinshäuser, Ruhezeiten und gemeinsame Feste.
Auf der anderen Seite standen immer komplexere Aufgaben:
Finanzverwaltung, Versicherungen, kommunale Ausschüsse, Flächennutzungsplanung, Entschädigungsverhandlungen, Rechtsfragen und digitale Vereinsorganisation.
Und trotz aller technischen und organisatorischen Veränderungen blieb der Kern der Vereinsarbeit derselbe:
die Interessen der Kleingärtner zu vertreten und die Kleingartenflächen in Wedel zu erhalten.
Gerade die Geschichte von Nieland 2 und Nieland 3 machte deutlich, wie schwierig diese Aufgabe werden konnte.
Das Jahrzehnt endete deshalb anders, als es begonnen hatte.
2000 feierte der Verein noch sein 80-jähriges Bestehen mit mehr als 600 Mitgliedern.
2009 blickte er auf eine schwere Führungskrise, den Tod zweier Vorsitzender innerhalb weniger Jahre, den Verlust zweier Koloniebereiche und einen deutlichen Rückgang seiner Mitgliederzahl zurück.
Gleichzeitig war der Verein organisatorisch moderner geworden und hatte bewiesen, dass er selbst große Krisen bewältigen konnte.
Die Grundlage für das nächste Jahrzehnt war damit geschaffen.