SCHREBERGARTEN-VEREIN WEDEL E. V.
Die Vogelwelt im Kleingarten
Vogelschutz im Kleingarten – Lebensräume schaffen, Artenvielfalt erhalten
1. Warum Vogelschutz im Kleingarten so wichtig ist
Kleingärten sind weit mehr als Orte für den Anbau von Obst und Gemüse. Sie können wertvolle Lebensräume für zahlreiche heimische Vogelarten sein. Besonders in Städten und dicht besiedelten Gebieten bilden Kleingartenanlagen wichtige grüne Rückzugsräume, in denen Vögel Nahrung finden, brüten, ihre Jungen aufziehen und Schutz vor Witterung und natürlichen Feinden suchen.
Ein naturnah gestalteter Kleingarten bietet unterschiedliche Lebensräume auf engem Raum: Obstbäume, heimische Sträucher, Blumenwiesen, Stauden, Gemüsebeete, Hecken und kleine Wasserstellen ergänzen sich zu einem vielfältigen Ökosystem.
Vögel übernehmen dabei wichtige Aufgaben:
Besonders während der Brutzeit benötigen viele Singvögel große Mengen an Insekten, Spinnen und anderen wirbellosen Tieren, um ihre Jungen zu versorgen.
Wer Vögel schützen möchte, muss deshalb nicht nur an Nistkästen und Futterstellen denken, sondern vor allem an die Gestaltung des gesamten Gartens.
2. Welche Vögel besuchen unsere Kleingärten?
In den Kleingartenanlagen Norddeutschlands können wir eine Vielzahl unterschiedlicher Vogelarten beobachten. Einige bleiben das ganze Jahr über bei uns, andere kommen nur während der Brutzeit oder als Wintergäste.
Die folgende Übersicht zeigt typische Gartenbewohner und ihre Bedeutung für den Kleingarten.
| Vogelart | Nahrung | Bedeutung im Garten |
|---|---|---|
| Amsel | Regenwürmer, Insekten, Beeren, Früchte | Nahrungssuche im Boden und Verbreitung von Samen |
| Kohlmeise | Raupen, Insekten, Samen | Regulierung zahlreicher Insektenarten |
| Blaumeise | Kleine Raupen, Blattläuse, Spinnen | Nahrungssuche an Blättern und Zweigen |
| Rotkehlchen | Insekten, Würmer, Spinnen, Beeren | Sucht Nahrung am Boden und unter Sträuchern |
| Haussperling | Samen, Körner, Insekten | Insektennahrung besonders für die Jungenaufzucht |
| Feldsperling | Samen, Insekten | Nutzt Gehölze, Obstgärten und Nistkästen |
| Star | Insekten, Larven, Würmer, Früchte | Sucht Nahrung in Rasen- und Wiesenflächen |
| Zaunkönig | Kleine Insekten und Spinnen | Nahrungssuche in dichtem Bewuchs und Reisighaufen |
| Stieglitz (Distelfink) | Samen von Disteln und Wildkräutern | Nutzt samenreiche Stauden und Wildpflanzen |
| Grünfink | Samen, Knospen, Beeren | Nutzt samenreiche Pflanzen und Gehölze |
| Buchfink | Samen und Insekten | Nahrungssuche am Boden und in Gehölzen |
| Buntspecht | Insekten, Larven, Samen, Nüsse | Sucht unter anderem holzbewohnende Insekten |
| Hausrotschwanz | Insekten, Spinnen, Beeren | Brütet häufig an Gartenhäusern und Gebäuden |
Einige unserer gefiederten Gartenbewohner
![]() |
Amsel – Turdus merula Die Amsel sucht häufig auf Rasenflächen und in Beeten nach Regenwürmern und Insekten. Sie baut ihre Nester gerne in dichten Sträuchern, Hecken oder Kletterpflanzen. |
|---|---|
![]() |
Kohlmeise – Parus major Während der Jungenaufzucht sammeln Kohlmeisen zahlreiche Raupen und andere Insekten. Sie nehmen geeignete Höhlennistkästen gerne an. |
![]() |
Blaumeise – Cyanistes caeruleus Die kleine Blaumeise ist besonders geschickt bei der Nahrungssuche an dünnen Zweigen. Sie untersucht Blätter und Knospen nach kleinen Insekten und deren Entwicklungsstadien. |
![]() |
Rotkehlchen – Erithacus rubecula Rotkehlchen bevorzugen strukturreiche Gärten mit dichtem Unterwuchs. Sie suchen besonders am Boden nach Nahrung und benötigen geschützte Brutplätze. |
![]() |
Zaunkönig – Troglodytes troglodytes Der kleine Zaunkönig nutzt dichtes Gestrüpp, Wurzelbereiche und Reisighaufen als Versteck und zur Nahrungssuche. |
![]() |
Stieglitz – Carduelis carduelis Der farbenprächtige Stieglitz ist auf samenreiche Wildpflanzen angewiesen. Disteln, Karden und andere verblühte Stauden sind für ihn wertvolle Nahrungsquellen. |
3. Heimische Gehölze – Nahrung und Schutz aus der Natur
Eine der wirksamsten Maßnahmen zum Vogelschutz ist die Pflanzung heimischer Sträucher und Gehölze.
Viele unserer Vogelarten sind an heimische Pflanzen angepasst. Diese bieten nicht nur Beeren und Früchte, sondern sind auch Lebensraum zahlreicher Insekten, die wiederum als Vogelnahrung dienen.
Eine Hecke aus verschiedenen heimischen Gehölzen ist daher ökologisch wertvoller als eine einförmige Hecke aus exotischen Ziergehölzen.
Geeignete Gehölze für einen vogelfreundlichen Kleingarten
| Pflanze | Nutzen für Vögel | Besonderheit |
|---|---|---|
| Weißdorn | Beeren, Insekten, Nistplätze | Dornen bieten Schutz |
| Schlehe | Früchte, Insekten, Brutplätze | Dichtes, dorniges Gehölz |
| Schwarzer Holunder | Beeren und Insekten | Wertvolle Spätsommernahrung |
| Roter Hartriegel | Früchte, Nistmöglichkeiten | Geeignet für gemischte Hecken |
| Haselnuss | Nüsse, Insekten, Deckung | Auch für andere Wildtiere wertvoll |
| Hundsrose | Hagebutten, Insekten, Nistplätze | Dornen schützen brütende Vögel |
| Eberesche (Vogelbeere) | Früchte für zahlreiche Vogelarten | Besonders im Herbst wertvoll |
| Gemeiner Schneeball | Früchte, Deckung | Früchte bleiben teilweise lange hängen |
| Wildapfel | Früchte und Insekten | Wertvoller kleiner Baum |
| Kornelkirsche | Frühe Blüten, spätere Früchte | Frühblüher für Insekten |
| Efeu | Späte Blüten, Beeren, Nistplätze | Wertvoll an geeigneten Standorten |
Bei der Auswahl sind die örtlichen Platzverhältnisse, die Kleingartenordnung, zulässige Wuchshöhen und Pflanzabstände zu berücksichtigen. Größer werdende Gehölze müssen zum jeweiligen Garten passen.
Besonders empfehlenswert ist eine gemischte Hecke, deren Pflanzen zu unterschiedlichen Jahreszeiten blühen und Früchte tragen. So entsteht über viele Monate hinweg ein natürliches Nahrungsangebot.
Auch vorhandene Obstbäume sind wertvoll. Sie bieten Blüten für Insekten, Früchte für Vögel und mit zunehmendem Alter möglicherweise natürliche Bruthöhlen.
Quelle: NABU - Stunde der Gartenvögel
4. Nistkästen – künstliche Brutplätze richtig anbieten
In vielen Kleingärten fehlen alte Bäume mit natürlichen Höhlen. Nistkästen können diesen Mangel teilweise ausgleichen.
Dabei ist zu beachten, dass nicht jeder Nistkasten für jede Vogelart geeignet ist.
| Vogelart | Nisthilfe | Einflugöffnung |
|---|---|---|
| Blaumeise | Höhlenbrüterkasten | ca. 26–28 mm |
| Kohlmeise | Höhlenbrüterkasten | ca. 32 mm |
| Feldsperling | Höhlenbrüterkasten | ca. 32 mm |
| Haussperling | Sperlingskoloniekasten | ca. 32–35 mm |
| Star | Größerer Höhlenbrüterkasten | ca. 45 mm |
| Hausrotschwanz | Halbhöhlenkasten | Große, offene Einflugöffnung |
| Grauschnäpper | Halbhöhlenkasten | Große, offene Einflugöffnung |
| Rotkehlchen | Geschützte Halbhöhle oder natürliche Nische | Offener Zugang |
Dabei ist zu beachten, dass nicht jeder Nistkasten für jede Vogelart geeignet ist.
Nistkästen sollten so angebracht werden, dass die Tiere möglichst ungestört brüten können.
Nistkästen sollten möglichst bereits im Herbst aufgehängt werden. Sie können dann auch als Schlafplatz in kalten Nächten dienen.
Quelle: NABU Bonn - Nistkästen richtig anbringen
Nach Abschluss der Brutsaison, vorzugsweise im Spätsommer oder frühen Herbst, können Nistkästen kontrolliert und gereinigt werden.
Dabei gilt:
Während einer laufenden Brut darf der Nistkasten nicht geöffnet oder gereinigt werden.
Auch im Herbst und Winter können andere Tiere, beispielsweise Fledermäuse oder überwinternde Insekten, einen Nistkasten nutzen. Bewohnte Kästen bleiben ungestört.
Quelle: NABU Bonn - Wohnungsputz für Meise und Kleiber
NABU Gera-Greiz - Nistkästen reinigen
5. Vogeltränken – Wasser zum Trinken und Baden
Gerade während längerer Trockenperioden kann eine Wasserstelle für Vögel eine wertvolle Hilfe sein.
Vögel benötigen Wasser nicht nur zum Trinken, sondern auch zur Gefiederpflege. Beim Baden werden Schmutz und lose Federn entfernt.
Bereits eine flache Tonschale kann als Vogeltränke dienen.
Eine Vogeltränke darf nicht zu einer Keimquelle werden. Besonders bei warmem Wetter können sich Krankheitserreger in verschmutztem Wasser vermehren.
Wer eine Tränke aufstellt, übernimmt deshalb auch die Verantwortung für ihre regelmäßige Reinigung.
6. Vogelfütterung – wann und womit?
Die Fütterung von Wildvögeln ist eine beliebte Möglichkeit, unsere gefiederten Gartenbewohner aus der Nähe zu beobachten.
Sie kann insbesondere während längerer Frostperioden und bei geschlossener Schneedecke eine zusätzliche Nahrungsquelle darstellen.
Allerdings ersetzt die Fütterung keinen naturnahen Lebensraum.
Welches Futter eignet sich?
| Futter | Geeignete Vogelarten |
|---|---|
| Sonnenblumenkerne | Meisen, Finken, Sperlinge |
| Kleine Sämereien | Stieglitze, Zeisige, Finken |
| Ungesalzene Erdnüsse, geeignet angeboten | Meisen, Kleiber |
| Haferflocken | Unter anderem Amseln und Rotkehlchen |
| Frisches Obst | Amseln, Drosseln |
| Geeignetes Fettfutter | Viele Körnerfresser im Winter |
| Natürlich vorkommende Insekten | Besonders wichtig während der Brutzeit |
Ungeeignetes Vogelfutter
Die Ganzjahresfütterung wird unterschiedlich bewertet. Sie kann einzelnen Vogelarten zusätzliche Nahrung bieten, beseitigt aber nicht die Ursachen des Insekten- und Lebensraumverlustes.
Während der Brutzeit benötigen viele Jungvögel vor allem proteinreiche, geeignete Insektennahrung. Große, fettreiche oder ungeeignete Futterstücke können für Jungvögel problematisch sein.
Für den Kleingarten gilt daher:
Die Förderung natürlicher Nahrung durch heimische Pflanzen, Wildkräuter und einen insektenfreundlichen Garten sollte immer Vorrang vor künstlicher Fütterung haben.
Wer dennoch füttert, sollte besonders auf geeignetes Futter und Hygiene achten.
Futtersilos sind gegenüber offenen Futterhäusern häufig hygienischer, weil die Vögel nicht direkt im Futter sitzen und es dadurch weniger mit Kot verschmutzen.
Futterstellen müssen regelmäßig kontrolliert und gereinigt werden. Verdorbenes Futter ist sofort zu entfernen.
Werden mehrere kranke oder tote Vögel an einer Futterstelle beobachtet, sollte die Fütterung eingestellt werden, um eine weitere Verbreitung möglicher Krankheitserreger zu vermeiden.
Quelle: NABU - Tipps für einen vogelfreundlichen Garten
NABU - Hygiene am Futterplatz - Vögel richtig füttern
NABU - Natur im eigenen Garten - Tipps und Tricks
7. Insektenfreundliche Gärten sind vogelfreundliche Gärten
Eine Kohlmeise, die ihre Jungen versorgt, benötigt während der Brutzeit zahlreiche Raupen und andere Insekten.
Auch Arten, die sich später überwiegend von Samen ernähren, verfüttern an ihre Jungvögel häufig Insekten.
Deshalb besteht ein enger Zusammenhang zwischen Insektenschutz und Vogelschutz.
Was können Kleingärtner tun?
Blühende Wildpflanzen erhalten
Heimische Wildpflanzen fördern Insekten, deren Larven und weitere wirbellose Tiere.
Stauden erst im Frühjahr zurückschneiden
Viele Insekten überwintern in Pflanzenstängeln oder im Bereich abgestorbener Pflanzenteile. Verblühte Stauden liefern außerdem Samen für Vögel.
Laub unter Sträuchern liegen lassen
Unter Laub leben zahlreiche Kleintiere, die beispielsweise von Amseln und Rotkehlchen gesucht werden.
Totholz und Reisighaufen anbieten
In geeigneten, ruhigen Gartenecken entstehen Lebensräume für Insekten und Versteckmöglichkeiten für Vögel.
Auf breit wirkende Insektizide verzichten
Chemische Pflanzenschutzmittel können neben unerwünschten Arten auch Nützlinge treffen und das natürliche Nahrungsangebot der Vögel verringern.
Eine Raupe auf einem Obstbaum ist nicht automatisch ein Schädling, der bekämpft werden muss. Viele Raupen sind wertvolle Nahrung für Meisen und andere Singvögel.
Ein gewisses Maß an Insektenfraß gehört zu einem lebendigen Garten.
Weitere Informationen finden sich in unserer Fachberatung unter den Themen Nützlinge im Kleingarten und Naturnaher Pflanzenschutz.
8. Hecken- und Gehölzschnitt – Brutzeiten unbedingt beachten
Hecken, Sträucher und Bäume sind für viele Vogelarten unverzichtbare Brutplätze.
Bei Gartenarbeiten besteht die Gefahr, dass Nester beschädigt oder brütende Vögel gestört werden.
Was sagt das Bundesnaturschutzgesetz?
Nach § 39 Abs. 5 Bundesnaturschutzgesetz gilt grundsätzlich:
Gesetzliche Schutzzeit für Hecken und Gehölze
In diesem Zeitraum ist es grundsätzlich verboten, Hecken, lebende Zäune, Gebüsche und andere erfasste Gehölze abzuschneiden, auf den Stock zu setzen oder zu beseitigen.
Schonende Form- und Pflegeschnitte zur Beseitigung des Zuwachses oder zur Gesunderhaltung von Bäumen sind nach § 39 Abs. 5 unter den gesetzlichen Voraussetzungen zulässig.
www.gesetze-im-internet.juris.de/bnatschg_2009/__39.html
Bundesamt für Justiz - Gesetz über Naturschutz und Landschaftspflege
Was bedeutet das für den Kleingarten?
| Gartenarbeit | Empfehlung |
|---|---|
| Hecke vollständig entfernen | Außerhalb der gesetzlichen Schutzzeit planen und Artenschutz prüfen |
| Hecke stark zurückschneiden | Möglichst Oktober bis Februar |
| Leichter Formschnitt | Nur soweit zulässig und ohne Beeinträchtigung von Brutstätten |
| Obstbaum schneiden | Vorher auf Nester und besetzte Höhlen prüfen |
| Strauch mit besetztem Nest schneiden | Arbeiten im betroffenen Bereich unterlassen |
| Nistkasten versetzen | Nicht während einer laufenden Brut |
Wichtig: Die gesetzlichen Schutzvorschriften für Vögel gelten nicht nur vom 1. März bis zum 30. September.
Nach § 44 BNatSchG sind insbesondere die Beschädigung oder Zerstörung geschützter Fortpflanzungs- und Ruhestätten sowie erhebliche Störungen europäischer Vogelarten unter den dort genannten Voraussetzungen verboten.
Das bedeutet: Auch im Oktober oder Februar darf ein geschützter Brut- oder Ruheplatz nicht einfach zerstört werden. Bestimmte regelmäßig genutzte Brutstätten können auch außerhalb der aktuellen Belegung geschützt sein.
Die Ausnahme für schonende Formschnitte ist kein Freibrief, besetzte Nester zu beschädigen.
Quelle: Bundesnaturschutzgesetz, §§ 39 und 44.
9. Gefahren für Vögel im Kleingarten vermeiden
9.1 Glasscheiben an Gartenlauben
Große Fensterscheiben und spiegelnde Glasflächen können für Vögel gefährlich werden.
Sie erkennen häufig nicht, dass sich hinter einer Spiegelung oder einer scheinbar freien Durchflugmöglichkeit eine Glasscheibe befindet.
Besonders problematisch sind gegenüberliegende Fenster und Glasflächen, in denen sich Bäume und Sträucher spiegeln.
Geeignete Schutzmaßnahmen:
Einzelne schwarze Greifvogelsilhouetten bieten keinen zuverlässigen Schutz.
Quelle: NABU - Vogelfalle Glas
9.2 Katzen
Freilaufende Katzen können insbesondere für bodenbrütende Vögel und noch nicht vollständig flugfähige Jungvögel eine Gefahr darstellen.
Deshalb sollten Futterstellen und Vogeltränken so aufgestellt werden, dass Katzen nicht unbemerkt heranschleichen können.
Auch Nistkästen müssen möglichst katzensicher befestigt werden.
Dichte, dornige Sträucher bieten zusätzliche Rückzugsmöglichkeiten.
9.3 Mähroboter, Freischneider und andere Gartengeräte
Vor dem Einsatz motorisierter Gartengeräte sollten Wiesen, Heckenränder und dicht bewachsene Bereiche kontrolliert werden.
Besonders junge Vögel können sich im Bewuchs aufhalten, ohne sofort aufzufallen.
Auch bodennahe Nester und andere Wildtiere sind zu berücksichtigen.
9.4 Offene Wasserbehälter
Regentonnen und andere steilwandige Wasserbehälter können für Vögel und Kleintiere zur Falle werden.
Regentonnen sollten möglichst abgedeckt werden. Bei offenen Behältern können geeignete Ausstiegshilfen das Risiko verringern.
9.5 Netze und lose Schnüre
Lose Vogelschutznetze, dünne Kunststofffäden und unsachgemäß befestigte Pflanzennetze können zu Verletzungen führen.
Schutznetze müssen straff gespannt, engmaschig und regelmäßig kontrolliert werden. Wo möglich, sind feste Schutzkonstruktionen vorzuziehen.
10. Jungvogel gefunden – was ist zu tun?
Im Frühjahr und Frühsommer werden häufig junge Vögel entdeckt, die scheinbar hilflos auf dem Boden sitzen.
Doch nicht jeder Jungvogel benötigt menschliche Hilfe.
Viele Jungvögel verlassen das Nest, bevor sie vollständig fliegen können. Sie werden weiterhin von ihren Eltern versorgt.
| Nestling | ![]() |
Kaum oder unvollständig befiedert | Kann nicht selbstständig sitzen oder hüpfen | Gehört normalerweise noch ins Nest |
| Ästling | ![]() |
Bereits weitgehend befiedert | Sitzt, hüpft oder flattert | Wird häufig außerhalb des Nestes von den Eltern versorgt |
Ein unverletzter Ästling sitzt auf dem Boden
Beobachten Sie den Vogel aus größerer Entfernung. Halten Sie Katzen und Hunde fern.
Befindet sich der Jungvogel unmittelbar in Gefahr, kann er vorsichtig wenige Meter in einen geschützten Strauch gesetzt werden.
Die Eltern finden ihn normalerweise anhand seiner Rufe wieder.
Ein kaum befiederter Nestling liegt außerhalb des Nestes
Ist das Nest erreichbar und unbeschädigt, kann der Jungvogel vorsichtig zurückgesetzt werden.
Ist das nicht möglich, sollte fachkundige Hilfe eingeholt werden.
Ein Vogel ist verletzt oder wurde von einer Katze gefangen
Hier ist schnelle fachkundige Hilfe erforderlich.
Den Vogel vorsichtig in einen belüfteten Karton setzen und dunkel, ruhig und geschützt unterbringen. Keine eigenmächtige Fütterung oder Wassergabe.
Bei Katzenkontakt sollte auch ohne sichtbare Verletzungen unverzüglich eine vogelkundige Tierarztpraxis oder Wildvogelhilfe kontaktiert werden.
11. Vogelschutz im Jahresverlauf
Vogelschutz ist keine Aufgabe, die sich auf die Brutzeit beschränkt. Ein gut gestalteter Kleingarten bietet während des gesamten Jahres Nahrung, Schutz und geeignete Lebensräume.
| Jahreszeit | Maßnahmen |
|---|---|
| Januar | Wasserstellen eisfrei halten, Futterstellen kontrollieren |
| Februar | Nistkästen kontrollieren, sofern unbewohnt; größere Gehölzarbeiten abschließen |
| März | Beginn der gesetzlichen Gehölzschutzzeit beachten, Brutplätze respektieren |
| April | Brutplätze schützen, insektenfreundliche Pflanzen fördern |
| Mai | Jungvögel nicht unnötig aufnehmen, Wasser anbieten |
| Juni | Vogeltränken regelmäßig reinigen, natürliche Insektennahrung erhalten |
| Juli | Trockenperioden beachten, dichte Sträucher als Rückzugsräume erhalten |
| August | Verblühte Stauden stehen lassen, Beerensträucher erhalten |
| September | Nach sicherem Abschluss der Bruten Nistkästen kontrollieren |
| Oktober | Geeignete Gehölze pflanzen, Nisthilfen anbringen |
| November | Laub und Reisighaufen in geeigneten Gartenecken erhalten |
| Dezember | Bei Bedarf ergänzend füttern, Winterquartiere nicht stören |
Die genannten Monate sind Orientierungswerte. Brutzeiten können je nach Vogelart, Witterung und Region abweichen.
12. Vogelschutz und kleingärtnerische Nutzung – kein Widerspruch
Ein vogelfreundlicher Garten muss kein verwilderter Garten sein.
Obst- und Gemüseanbau, Erholungsflächen und naturnahe Lebensräume lassen sich miteinander verbinden.
Gerade die typische Mischung aus Nutzgarten, Obstgehölzen, Stauden, Rasenflächen und Hecken kann eine hohe ökologische Vielfalt ermöglichen.
Beispiel für einen vogelfreundlichen Kleingarten
So könnte die Gestaltung aussehen:
13. Die häufigsten Fehler beim Vogelschutz
| Fehler | Bessere Lösung |
|---|---|
| Ausschließlich exotische Ziergehölze pflanzen | Heimische, standortgerechte Gehölze ergänzen |
| Hecken während der Brutzeit stark schneiden | Größere Arbeiten außerhalb der Schutzzeit planen |
| Nistkästen in der prallen Sonne aufhängen | Geschützte Ausrichtung nach Osten oder Südosten |
| Nistkästen während der Brut öffnen | Brut ungestört lassen |
| Vogeltränken selten reinigen | Wasser täglich wechseln und Schale reinigen |
| Brot und Speisereste verfüttern | Geeignetes Wildvogelfutter anbieten |
| Den gesamten Garten im Herbst abräumen | Samenstände, Laub und Rückzugsräume teilweise erhalten |
| Alle Raupen bekämpfen | Natürliche Regulierung durch Nützlinge und Vögel fördern |
| Einzelne Greifvogelsilhouetten an Fenster kleben | Geprüfte, flächige Vogelschutzmarkierungen verwenden |
| Jeden Jungvogel vom Boden aufnehmen | Zunächst feststellen, ob tatsächlich Hilfe nötig ist |
14. Schnellüberblick – Vogelschutz im Kleingarten
| Maßnahme | Nutzen | Geeigneter Zeitraum |
|---|---|---|
| Heimische Sträucher pflanzen | Nahrung, Nistplätze, Deckung | Herbst und Frühjahr |
| Nistkästen aufhängen | Zusätzliche Brutplätze | Vorzugsweise Herbst |
| Nistkästen reinigen | Verringerung von Parasitenbelastung | Nach sicherem Abschluss der Bruten |
| Vogeltränke anbieten | Trinken und Gefiederpflege | Ganzjährig, besonders bei Trockenheit |
| Ergänzend füttern | Zusätzliche Nahrung | Besonders im Winter |
| Wildblumen fördern | Insekten und Samen | Frühjahr bis Herbst |
| Stauden stehen lassen | Samen und Insektenquartiere | Herbst und Winter |
| Laub liegen lassen | Nahrung für Bodenlebewesen | Herbst und Winter |
| Reisighaufen erhalten | Verstecke und Nahrung | Ganzjährig |
| Auf Insektizide verzichten | Erhalt natürlicher Nahrungsquellen | Ganzjährig |
| Fenster sichern | Schutz vor Vogelschlag | Ganzjährig |
| Brutplätze respektieren | Schutz der Jungenaufzucht | Während jeder tatsächlichen Brut |
15. Fazit – jeder Kleingarten kann zum Vogelschutz beitragen
Vogelschutz beginnt nicht erst beim Aufhängen eines Nistkastens oder beim Aufstellen eines Futterhäuschens.
Entscheidend ist ein Garten, der Vögeln das bietet, was sie zum Leben benötigen: Nahrung, Wasser, Schutz und geeignete Brutplätze.
Heimische Gehölze, blühende Wildpflanzen, strukturreiche Beete und der bewusste Verzicht auf unnötige Pflanzenschutzmittel schaffen die Voraussetzungen dafür, dass Vögel dauerhaft in unseren Kleingartenanlagen leben können.
Wer im Herbst einige Samenstände stehen lässt, eine kleine Laubfläche erhält oder einen heimischen Strauch pflanzt, leistet bereits einen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt.
Schaffen Sie nicht nur einen Garten für sich selbst, sondern auch einen Lebensraum für unsere heimische Tierwelt.
Ein lebendiger Kleingarten bietet Platz für Obst, Gemüse, Blumen, Insekten und Vögel.
Je vielfältiger wir unsere Gärten gestalten, desto mehr können wir zum Erhalt unserer heimischen Vogelwelt beitragen.
Die folgenden Quellen bieten weiterführende Informationen zum Vogelschutz und zur naturnahen Gestaltung von Kleingärten.
| Institution | Thema und weiterführende Informationen |
|---|---|
| NABU – Naturschutzbund Deutschland | Vogelschutz und Gartenvögel |
| NABU | Ein Garten für unsere Vögel – Informationsbroschüre (PDF) |
| NABU Bonn | Nistkästen richtig anbringen |
| NABU Bonn | Nisthilfen reinigen |
| NABU | Vogelfalle Glas – Informationsbroschüre (PDF) |
| Bundesnaturschutzgesetz | § 39 – Allgemeiner Schutz wild lebender Tiere und Pflanzen |
| Bundesnaturschutzgesetz | § 44 – Vorschriften für besonders geschützte Tier- und Pflanzenarten |
| Bundesamt für Naturschutz | Informationen zum Naturschutz und Artenschutz |
| Landesamt für Umwelt Schleswig-Holstein | [Natur- und Artenschutz in Schleswig-Holstein](https://www.schleswig-holstein.de/DE/landesregierung/ministerien-behoerden/LfU/l fu_node.html) |
Fachberatung – Schrebergarten-Verein Wedel e.V. · Stand: September 2026







