Schrebergarten-
Verein Wedel e.V.
seit 1920
Die Vogelwelt im Kleingarten
Flagge des Schrebergarten-Vereins Wedel e. V.

SCHREBERGARTEN-VEREIN WEDEL E. V.

Vogelschutz im Kleingarten – Lebensräume schaffen, Artenvielfalt erhalten

1. Warum Vogelschutz im Kleingarten so wichtig ist

Kleingärten sind weit mehr als Orte für den Anbau von Obst und Gemüse. Sie können wertvolle Lebensräume für zahlreiche heimische Vogelarten sein. Besonders in Städten und dicht besiedelten Gebieten bilden Kleingartenanlagen wichtige grüne Rückzugsräume, in denen Vögel Nahrung finden, brüten, ihre Jungen aufziehen und Schutz vor Witterung und natürlichen Feinden suchen.

Ein naturnah gestalteter Kleingarten bietet unterschiedliche Lebensräume auf engem Raum: Obstbäume, heimische Sträucher, Blumenwiesen, Stauden, Gemüsebeete, Hecken und kleine Wasserstellen ergänzen sich zu einem vielfältigen Ökosystem.

Vögel übernehmen dabei wichtige Aufgaben:

Sie regulieren zahlreiche Insektenpopulationen und tragen zur natürlichen Schädlingskontrolle bei.
Sie verbreiten Pflanzensamen und unterstützen damit die natürliche Entwicklung der Vegetation.
Sie sind Teil eines funktionierenden ökologischen Gleichgewichts.
Sie bereichern unsere Gärten durch ihren Gesang, ihr Verhalten und ihre Farben.

Besonders während der Brutzeit benötigen viele Singvögel große Mengen an Insekten, Spinnen und anderen wirbellosen Tieren, um ihre Jungen zu versorgen.

Wer Vögel schützen möchte, muss deshalb nicht nur an Nistkästen und Futterstellen denken, sondern vor allem an die Gestaltung des gesamten Gartens.

2. Welche Vögel besuchen unsere Kleingärten?

In den Kleingartenanlagen Norddeutschlands können wir eine Vielzahl unterschiedlicher Vogelarten beobachten. Einige bleiben das ganze Jahr über bei uns, andere kommen nur während der Brutzeit oder als Wintergäste.

Die folgende Übersicht zeigt typische Gartenbewohner und ihre Bedeutung für den Kleingarten.

Vogelart Nahrung Bedeutung im Garten
Amsel Regenwürmer, Insekten, Beeren, Früchte Nahrungssuche im Boden und Verbreitung von Samen
Kohlmeise Raupen, Insekten, Samen Regulierung zahlreicher Insektenarten
Blaumeise Kleine Raupen, Blattläuse, Spinnen Nahrungssuche an Blättern und Zweigen
Rotkehlchen Insekten, Würmer, Spinnen, Beeren Sucht Nahrung am Boden und unter Sträuchern
Haussperling Samen, Körner, Insekten Insektennahrung besonders für die Jungenaufzucht
Feldsperling Samen, Insekten Nutzt Gehölze, Obstgärten und Nistkästen
Star Insekten, Larven, Würmer, Früchte Sucht Nahrung in Rasen- und Wiesenflächen
Zaunkönig Kleine Insekten und Spinnen Nahrungssuche in dichtem Bewuchs und Reisighaufen
Stieglitz (Distelfink) Samen von Disteln und Wildkräutern Nutzt samenreiche Stauden und Wildpflanzen
Grünfink Samen, Knospen, Beeren Nutzt samenreiche Pflanzen und Gehölze
Buchfink Samen und Insekten Nahrungssuche am Boden und in Gehölzen
Buntspecht Insekten, Larven, Samen, Nüsse Sucht unter anderem holzbewohnende Insekten
Hausrotschwanz Insekten, Spinnen, Beeren Brütet häufig an Gartenhäusern und Gebäuden

Einige unserer gefiederten Gartenbewohner

Amsel auf dem Rasen Amsel – Turdus merula
Die Amsel sucht häufig auf Rasenflächen und in Beeten nach Regenwürmern und Insekten. Sie baut ihre Nester gerne in dichten Sträuchern, Hecken oder Kletterpflanzen.
Meise auf dem Zaun Kohlmeise – Parus major
Während der Jungenaufzucht sammeln Kohlmeisen zahlreiche Raupen und andere Insekten. Sie nehmen geeignete Höhlennistkästen gerne an.
Blaumeise- Großaufnahme Blaumeise – Cyanistes caeruleus
Die kleine Blaumeise ist besonders geschickt bei der Nahrungssuche an dünnen Zweigen. Sie untersucht Blätter und Knospen nach kleinen Insekten und deren Entwicklungsstadien.
Rotkehlchen auf Gartendeko Rotkehlchen – Erithacus rubecula
Rotkehlchen bevorzugen strukturreiche Gärten mit dichtem Unterwuchs. Sie suchen besonders am Boden nach Nahrung und benötigen geschützte Brutplätze.
Zaunkönig im Gehölz Zaunkönig – Troglodytes troglodytes
Der kleine Zaunkönig nutzt dichtes Gestrüpp, Wurzelbereiche und Reisighaufen als Versteck und zur Nahrungssuche.
Stieglitz auf Disteln im Garten Stieglitz – Carduelis carduelis
Der farbenprächtige Stieglitz ist auf samenreiche Wildpflanzen angewiesen. Disteln, Karden und andere verblühte Stauden sind für ihn wertvolle Nahrungsquellen.

3. Heimische Gehölze – Nahrung und Schutz aus der Natur

Meise im Weißdornbusch

Eine der wirksamsten Maßnahmen zum Vogelschutz ist die Pflanzung heimischer Sträucher und Gehölze.

Viele unserer Vogelarten sind an heimische Pflanzen angepasst. Diese bieten nicht nur Beeren und Früchte, sondern sind auch Lebensraum zahlreicher Insekten, die wiederum als Vogelnahrung dienen.

Eine Hecke aus verschiedenen heimischen Gehölzen ist daher ökologisch wertvoller als eine einförmige Hecke aus exotischen Ziergehölzen.

Geeignete Gehölze für einen vogelfreundlichen Kleingarten

Pflanze Nutzen für Vögel Besonderheit
Weißdorn Beeren, Insekten, Nistplätze Dornen bieten Schutz
Schlehe Früchte, Insekten, Brutplätze Dichtes, dorniges Gehölz
Schwarzer Holunder Beeren und Insekten Wertvolle Spätsommernahrung
Roter Hartriegel Früchte, Nistmöglichkeiten Geeignet für gemischte Hecken
Haselnuss Nüsse, Insekten, Deckung Auch für andere Wildtiere wertvoll
Hundsrose Hagebutten, Insekten, Nistplätze Dornen schützen brütende Vögel
Eberesche (Vogelbeere) Früchte für zahlreiche Vogelarten Besonders im Herbst wertvoll
Gemeiner Schneeball Früchte, Deckung Früchte bleiben teilweise lange hängen
Wildapfel Früchte und Insekten Wertvoller kleiner Baum
Kornelkirsche Frühe Blüten, spätere Früchte Frühblüher für Insekten
Efeu Späte Blüten, Beeren, Nistplätze Wertvoll an geeigneten Standorten

Bei der Auswahl sind die örtlichen Platzverhältnisse, die Kleingartenordnung, zulässige Wuchshöhen und Pflanzabstände zu berücksichtigen. Größer werdende Gehölze müssen zum jeweiligen Garten passen.

Besonders empfehlenswert ist eine gemischte Hecke, deren Pflanzen zu unterschiedlichen Jahreszeiten blühen und Früchte tragen. So entsteht über viele Monate hinweg ein natürliches Nahrungsangebot.

Auch vorhandene Obstbäume sind wertvoll. Sie bieten Blüten für Insekten, Früchte für Vögel und mit zunehmendem Alter möglicherweise natürliche Bruthöhlen.

Quelle: NABU - Stunde der Gartenvögel

NABU - Natur im Garten

4. Nistkästen – künstliche Brutplätze richtig anbieten

Blaumeise verlässt den Nistkasten

In vielen Kleingärten fehlen alte Bäume mit natürlichen Höhlen. Nistkästen können diesen Mangel teilweise ausgleichen.

Dabei ist zu beachten, dass nicht jeder Nistkasten für jede Vogelart geeignet ist.

Welcher Nistkasten für welchen Vogel?
Vogelart Nisthilfe Einflugöffnung
Blaumeise Höhlenbrüterkasten ca. 26–28 mm
Kohlmeise Höhlenbrüterkasten ca. 32 mm
Feldsperling Höhlenbrüterkasten ca. 32 mm
Haussperling Sperlingskoloniekasten ca. 32–35 mm
Star Größerer Höhlenbrüterkasten ca. 45 mm
Hausrotschwanz Halbhöhlenkasten Große, offene Einflugöffnung
Grauschnäpper Halbhöhlenkasten Große, offene Einflugöffnung
Rotkehlchen Geschützte Halbhöhle oder natürliche Nische Offener Zugang

Dabei ist zu beachten, dass nicht jeder Nistkasten für jede Vogelart geeignet ist.

Der richtige Standort

Nistkästen sollten so angebracht werden, dass die Tiere möglichst ungestört brüten können.

Aufhängehöhe bei üblichen Kleinvogelkästen etwa 2–3 Meter.
Einflugöffnung möglichst nach Osten oder Südosten ausrichten.
Direkte Mittagssonne und die vorherrschende Wetterseite vermeiden.
Den Kasten stabil und möglichst leicht nach vorne geneigt befestigen.
Freien Anflug ermöglichen.
Schutz vor Katzen und anderen Nesträubern berücksichtigen.
Zwischen Kästen derselben territorialen Vogelart möglichst mindestens 10 Meter Abstand halten. Für Koloniebrüter wie Sperlinge gelten andere Anforderungen.

Nistkästen sollten möglichst bereits im Herbst aufgehängt werden. Sie können dann auch als Schlafplatz in kalten Nächten dienen.

Quelle: NABU Bonn - Nistkästen richtig anbringen

NABU Weingarten - Vogelschutz

Wann müssen Nistkästen gereinigt werden?

Nach Abschluss der Brutsaison, vorzugsweise im Spätsommer oder frühen Herbst, können Nistkästen kontrolliert und gereinigt werden.

Dabei gilt:

Vor dem Öffnen vorsichtig prüfen, ob der Kasten bewohnt ist.
Altes Nistmaterial entfernen, sofern keine Tiere mehr darin leben.
Den Kasten bei Bedarf trocken ausbürsten.
Auf chemische Reinigungs- und Desinfektionsmittel verzichten.
Beschädigte Kästen reparieren oder austauschen.

Während einer laufenden Brut darf der Nistkasten nicht geöffnet oder gereinigt werden.

Auch im Herbst und Winter können andere Tiere, beispielsweise Fledermäuse oder überwinternde Insekten, einen Nistkasten nutzen. Bewohnte Kästen bleiben ungestört.

Quelle: NABU Bonn - Wohnungsputz für Meise und Kleiber

NABU Gera-Greiz - Nistkästen reinigen

5. Vogeltränken – Wasser zum Trinken und Baden

Rotkelchen badet in einer Vogeltränke

Gerade während längerer Trockenperioden kann eine Wasserstelle für Vögel eine wertvolle Hilfe sein.

Vögel benötigen Wasser nicht nur zum Trinken, sondern auch zur Gefiederpflege. Beim Baden werden Schmutz und lose Federn entfernt.

Bereits eine flache Tonschale kann als Vogeltränke dienen.

So wird eine Vogeltränke richtig angelegt
Eine flache Schale mit rauer, rutschfester Oberfläche verwenden.
Unterschiedliche Wassertiefen von etwa 1 bis 5 cm anbieten.
Einen flachen Stein als Sitz- und Ausstiegsmöglichkeit hineinlegen.
Die Tränke übersichtlich aufstellen, damit Vögel herannahende Katzen erkennen können.
Sträucher als Rückzugsmöglichkeit in erreichbarer Nähe erhalten.
Wasser täglich wechseln, bei Hitze oder starker Verschmutzung häufiger.
Die Schale regelmäßig gründlich mit heißem Wasser und einer Bürste reinigen.

Eine Vogeltränke darf nicht zu einer Keimquelle werden. Besonders bei warmem Wetter können sich Krankheitserreger in verschmutztem Wasser vermehren.

Wer eine Tränke aufstellt, übernimmt deshalb auch die Verantwortung für ihre regelmäßige Reinigung.

6. Vogelfütterung – wann und womit?

Vögel an einer Futtersäule

Die Fütterung von Wildvögeln ist eine beliebte Möglichkeit, unsere gefiederten Gartenbewohner aus der Nähe zu beobachten.

Sie kann insbesondere während längerer Frostperioden und bei geschlossener Schneedecke eine zusätzliche Nahrungsquelle darstellen.

Allerdings ersetzt die Fütterung keinen naturnahen Lebensraum.

Welches Futter eignet sich?

Futter Geeignete Vogelarten
Sonnenblumenkerne Meisen, Finken, Sperlinge
Kleine Sämereien Stieglitze, Zeisige, Finken
Ungesalzene Erdnüsse, geeignet angeboten Meisen, Kleiber
Haferflocken Unter anderem Amseln und Rotkehlchen
Frisches Obst Amseln, Drosseln
Geeignetes Fettfutter Viele Körnerfresser im Winter
Natürlich vorkommende Insekten Besonders wichtig während der Brutzeit
Was darf nicht verfüttert werden?

Ungeeignetes Vogelfutter

Brot und Backwaren
Gesalzene oder gewürzte Speisen
Speisereste
Schimmeliges oder verdorbenes Futter
Gesalzene Nüsse
Milch und Milchprodukte
Futter in Kunststoffnetzen, in denen sich Vögel verfangen können
Ganzjahresfütterung – sinnvoll oder nicht?

Die Ganzjahresfütterung wird unterschiedlich bewertet. Sie kann einzelnen Vogelarten zusätzliche Nahrung bieten, beseitigt aber nicht die Ursachen des Insekten- und Lebensraumverlustes.

Während der Brutzeit benötigen viele Jungvögel vor allem proteinreiche, geeignete Insektennahrung. Große, fettreiche oder ungeeignete Futterstücke können für Jungvögel problematisch sein.

Für den Kleingarten gilt daher:

Die Förderung natürlicher Nahrung durch heimische Pflanzen, Wildkräuter und einen insektenfreundlichen Garten sollte immer Vorrang vor künstlicher Fütterung haben.

Wer dennoch füttert, sollte besonders auf geeignetes Futter und Hygiene achten.

Hygiene an Futterstellen

Futtersilos sind gegenüber offenen Futterhäusern häufig hygienischer, weil die Vögel nicht direkt im Futter sitzen und es dadurch weniger mit Kot verschmutzen.

Futterstellen müssen regelmäßig kontrolliert und gereinigt werden. Verdorbenes Futter ist sofort zu entfernen.

Werden mehrere kranke oder tote Vögel an einer Futterstelle beobachtet, sollte die Fütterung eingestellt werden, um eine weitere Verbreitung möglicher Krankheitserreger zu vermeiden.

Quelle: NABU - Tipps für einen vogelfreundlichen Garten

NABU - Hygiene am Futterplatz - Vögel richtig füttern

NABU - Natur im eigenen Garten - Tipps und Tricks

7. Insektenfreundliche Gärten sind vogelfreundliche Gärten

Blaumeise füttert ihren Nachwuchs

Eine Kohlmeise, die ihre Jungen versorgt, benötigt während der Brutzeit zahlreiche Raupen und andere Insekten.

Auch Arten, die sich später überwiegend von Samen ernähren, verfüttern an ihre Jungvögel häufig Insekten.

Deshalb besteht ein enger Zusammenhang zwischen Insektenschutz und Vogelschutz.

Was können Kleingärtner tun?

Blühende Wildpflanzen erhalten

Heimische Wildpflanzen fördern Insekten, deren Larven und weitere wirbellose Tiere.

Stauden erst im Frühjahr zurückschneiden

Viele Insekten überwintern in Pflanzenstängeln oder im Bereich abgestorbener Pflanzenteile. Verblühte Stauden liefern außerdem Samen für Vögel.

Laub unter Sträuchern liegen lassen

Unter Laub leben zahlreiche Kleintiere, die beispielsweise von Amseln und Rotkehlchen gesucht werden.

Totholz und Reisighaufen anbieten

In geeigneten, ruhigen Gartenecken entstehen Lebensräume für Insekten und Versteckmöglichkeiten für Vögel.

Auf breit wirkende Insektizide verzichten

Chemische Pflanzenschutzmittel können neben unerwünschten Arten auch Nützlinge treffen und das natürliche Nahrungsangebot der Vögel verringern.

Gut zu wissen

Eine Raupe auf einem Obstbaum ist nicht automatisch ein Schädling, der bekämpft werden muss. Viele Raupen sind wertvolle Nahrung für Meisen und andere Singvögel.

Ein gewisses Maß an Insektenfraß gehört zu einem lebendigen Garten.

Weitere Informationen finden sich in unserer Fachberatung unter den Themen Nützlinge im Kleingarten und Naturnaher Pflanzenschutz.

8. Hecken- und Gehölzschnitt – Brutzeiten unbedingt beachten

Amsel füttert ihren Nachwuchs

Hecken, Sträucher und Bäume sind für viele Vogelarten unverzichtbare Brutplätze.

Bei Gartenarbeiten besteht die Gefahr, dass Nester beschädigt oder brütende Vögel gestört werden.

Was sagt das Bundesnaturschutzgesetz?

Nach § 39 Abs. 5 Bundesnaturschutzgesetz gilt grundsätzlich:

1. März bis 30. September

Gesetzliche Schutzzeit für Hecken und Gehölze

In diesem Zeitraum ist es grundsätzlich verboten, Hecken, lebende Zäune, Gebüsche und andere erfasste Gehölze abzuschneiden, auf den Stock zu setzen oder zu beseitigen.

Schonende Form- und Pflegeschnitte zur Beseitigung des Zuwachses oder zur Gesunderhaltung von Bäumen sind nach § 39 Abs. 5 unter den gesetzlichen Voraussetzungen zulässig.

www.gesetze-im-internet.juris.de/bnatschg_2009/__39.html

Bundesamt für Justiz - Gesetz über Naturschutz und Landschaftspflege

Was bedeutet das für den Kleingarten?

Gartenarbeit Empfehlung
Hecke vollständig entfernen Außerhalb der gesetzlichen Schutzzeit planen und Artenschutz prüfen
Hecke stark zurückschneiden Möglichst Oktober bis Februar
Leichter Formschnitt Nur soweit zulässig und ohne Beeinträchtigung von Brutstätten
Obstbaum schneiden Vorher auf Nester und besetzte Höhlen prüfen
Strauch mit besetztem Nest schneiden Arbeiten im betroffenen Bereich unterlassen
Nistkasten versetzen Nicht während einer laufenden Brut

Wichtig: Die gesetzlichen Schutzvorschriften für Vögel gelten nicht nur vom 1. März bis zum 30. September.

Nach § 44 BNatSchG sind insbesondere die Beschädigung oder Zerstörung geschützter Fortpflanzungs- und Ruhestätten sowie erhebliche Störungen europäischer Vogelarten unter den dort genannten Voraussetzungen verboten.

Das bedeutet: Auch im Oktober oder Februar darf ein geschützter Brut- oder Ruheplatz nicht einfach zerstört werden. Bestimmte regelmäßig genutzte Brutstätten können auch außerhalb der aktuellen Belegung geschützt sein.

Die Ausnahme für schonende Formschnitte ist kein Freibrief, besetzte Nester zu beschädigen.

Quelle: Bundesnaturschutzgesetz, §§ 39 und 44.

9. Gefahren für Vögel im Kleingarten vermeiden

9.1 Glasscheiben an Gartenlauben

Wie schützt man Vögel vor Glasscheiben, die sie nicht erkennen können

Große Fensterscheiben und spiegelnde Glasflächen können für Vögel gefährlich werden.

Sie erkennen häufig nicht, dass sich hinter einer Spiegelung oder einer scheinbar freien Durchflugmöglichkeit eine Glasscheibe befindet.

Besonders problematisch sind gegenüberliegende Fenster und Glasflächen, in denen sich Bäume und Sträucher spiegeln.

Geeignete Schutzmaßnahmen:

Glasflächen von außen mit geprüften Vogelschutzmarkierungen versehen.
Eng angeordnete Punkte oder Streifen über die gesamte gefährliche Fläche verteilen.
Außenliegende Fliegengitter oder Schnurvorhänge verwenden.
Bei Neubauten und Umbauten möglichst vogelfreundliches Glas berücksichtigen.

Einzelne schwarze Greifvogelsilhouetten bieten keinen zuverlässigen Schutz.

Quelle: NABU - Vogelfalle Glas

9.2 Katzen

Gefahr für Vögel - Katzen

Freilaufende Katzen können insbesondere für bodenbrütende Vögel und noch nicht vollständig flugfähige Jungvögel eine Gefahr darstellen.

Deshalb sollten Futterstellen und Vogeltränken so aufgestellt werden, dass Katzen nicht unbemerkt heranschleichen können.

Auch Nistkästen müssen möglichst katzensicher befestigt werden.

Dichte, dornige Sträucher bieten zusätzliche Rückzugsmöglichkeiten.

9.3 Mähroboter, Freischneider und andere Gartengeräte

Vor dem Einsatz motorisierter Gartengeräte sollten Wiesen, Heckenränder und dicht bewachsene Bereiche kontrolliert werden.

Besonders junge Vögel können sich im Bewuchs aufhalten, ohne sofort aufzufallen.

Auch bodennahe Nester und andere Wildtiere sind zu berücksichtigen.

9.4 Offene Wasserbehälter

Regentonnen und andere steilwandige Wasserbehälter können für Vögel und Kleintiere zur Falle werden.

Regentonnen sollten möglichst abgedeckt werden. Bei offenen Behältern können geeignete Ausstiegshilfen das Risiko verringern.

9.5 Netze und lose Schnüre

Lose Vogelschutznetze, dünne Kunststofffäden und unsachgemäß befestigte Pflanzennetze können zu Verletzungen führen.

Schutznetze müssen straff gespannt, engmaschig und regelmäßig kontrolliert werden. Wo möglich, sind feste Schutzkonstruktionen vorzuziehen.

10. Jungvogel gefunden – was ist zu tun?

Jungvogel am Boden

Im Frühjahr und Frühsommer werden häufig junge Vögel entdeckt, die scheinbar hilflos auf dem Boden sitzen.

Doch nicht jeder Jungvogel benötigt menschliche Hilfe.

Viele Jungvögel verlassen das Nest, bevor sie vollständig fliegen können. Sie werden weiterhin von ihren Eltern versorgt.

Nestling oder Ästling?
Nestling Jungvögel in einem Nest (Nestlinge) Kaum oder unvollständig befiedert Kann nicht selbstständig sitzen oder hüpfen Gehört normalerweise noch ins Nest
Ästling Jungvogel auf einem Ast (Ästling) Bereits weitgehend befiedert Sitzt, hüpft oder flattert Wird häufig außerhalb des Nestes von den Eltern versorgt
Richtig handeln

Ein unverletzter Ästling sitzt auf dem Boden

Beobachten Sie den Vogel aus größerer Entfernung. Halten Sie Katzen und Hunde fern.

Befindet sich der Jungvogel unmittelbar in Gefahr, kann er vorsichtig wenige Meter in einen geschützten Strauch gesetzt werden.

Die Eltern finden ihn normalerweise anhand seiner Rufe wieder.

Ein kaum befiederter Nestling liegt außerhalb des Nestes

Ist das Nest erreichbar und unbeschädigt, kann der Jungvogel vorsichtig zurückgesetzt werden.

Ist das nicht möglich, sollte fachkundige Hilfe eingeholt werden.

Ein Vogel ist verletzt oder wurde von einer Katze gefangen

Hier ist schnelle fachkundige Hilfe erforderlich.

Den Vogel vorsichtig in einen belüfteten Karton setzen und dunkel, ruhig und geschützt unterbringen. Keine eigenmächtige Fütterung oder Wassergabe.

Bei Katzenkontakt sollte auch ohne sichtbare Verletzungen unverzüglich eine vogelkundige Tierarztpraxis oder Wildvogelhilfe kontaktiert werden.

11. Vogelschutz im Jahresverlauf

Vogelschutz im Jahresverlauf

Vogelschutz ist keine Aufgabe, die sich auf die Brutzeit beschränkt. Ein gut gestalteter Kleingarten bietet während des gesamten Jahres Nahrung, Schutz und geeignete Lebensräume.

Jahreszeit Maßnahmen
Januar Wasserstellen eisfrei halten, Futterstellen kontrollieren
Februar Nistkästen kontrollieren, sofern unbewohnt; größere Gehölzarbeiten abschließen
März Beginn der gesetzlichen Gehölzschutzzeit beachten, Brutplätze respektieren
April Brutplätze schützen, insektenfreundliche Pflanzen fördern
Mai Jungvögel nicht unnötig aufnehmen, Wasser anbieten
Juni Vogeltränken regelmäßig reinigen, natürliche Insektennahrung erhalten
Juli Trockenperioden beachten, dichte Sträucher als Rückzugsräume erhalten
August Verblühte Stauden stehen lassen, Beerensträucher erhalten
September Nach sicherem Abschluss der Bruten Nistkästen kontrollieren
Oktober Geeignete Gehölze pflanzen, Nisthilfen anbringen
November Laub und Reisighaufen in geeigneten Gartenecken erhalten
Dezember Bei Bedarf ergänzend füttern, Winterquartiere nicht stören

Die genannten Monate sind Orientierungswerte. Brutzeiten können je nach Vogelart, Witterung und Region abweichen.

12. Vogelschutz und kleingärtnerische Nutzung – kein Widerspruch

Ein vogelfreundlicher Garten muss kein verwilderter Garten sein.

Obst- und Gemüseanbau, Erholungsflächen und naturnahe Lebensräume lassen sich miteinander verbinden.

Gerade die typische Mischung aus Nutzgarten, Obstgehölzen, Stauden, Rasenflächen und Hecken kann eine hohe ökologische Vielfalt ermöglichen.

Beispiel für einen vogelfreundlichen Kleingarten

So könnte die Gestaltung aussehen:

Gemüsebeete für die kleingärtnerische Nutzung
Obstbäume mit geeigneten Nistkästen
Eine gemischte Hecke aus heimischen Gehölzen
Eine kleine Fläche mit heimischen Wildblumen
Mehrjährige Stauden mit Samenständen
Eine regelmäßig gereinigte Vogeltränke
Ein Reisighaufen in einer ruhigen Gartenecke
Eine kleine Laubfläche unter Sträuchern
Ein Bereich mit offenem, unversiegeltem Boden
Es ist nicht erforderlich, den gesamten Garten umzugestalten.
Bereits einzelne Maßnahmen können die Lebensbedingungen für Vögel verbessern.

13. Die häufigsten Fehler beim Vogelschutz

Fehler Bessere Lösung
Ausschließlich exotische Ziergehölze pflanzen Heimische, standortgerechte Gehölze ergänzen
Hecken während der Brutzeit stark schneiden Größere Arbeiten außerhalb der Schutzzeit planen
Nistkästen in der prallen Sonne aufhängen Geschützte Ausrichtung nach Osten oder Südosten
Nistkästen während der Brut öffnen Brut ungestört lassen
Vogeltränken selten reinigen Wasser täglich wechseln und Schale reinigen
Brot und Speisereste verfüttern Geeignetes Wildvogelfutter anbieten
Den gesamten Garten im Herbst abräumen Samenstände, Laub und Rückzugsräume teilweise erhalten
Alle Raupen bekämpfen Natürliche Regulierung durch Nützlinge und Vögel fördern
Einzelne Greifvogelsilhouetten an Fenster kleben Geprüfte, flächige Vogelschutzmarkierungen verwenden
Jeden Jungvogel vom Boden aufnehmen Zunächst feststellen, ob tatsächlich Hilfe nötig ist

14. Schnellüberblick – Vogelschutz im Kleingarten

Maßnahme Nutzen Geeigneter Zeitraum
Heimische Sträucher pflanzen Nahrung, Nistplätze, Deckung Herbst und Frühjahr
Nistkästen aufhängen Zusätzliche Brutplätze Vorzugsweise Herbst
Nistkästen reinigen Verringerung von Parasitenbelastung Nach sicherem Abschluss der Bruten
Vogeltränke anbieten Trinken und Gefiederpflege Ganzjährig, besonders bei Trockenheit
Ergänzend füttern Zusätzliche Nahrung Besonders im Winter
Wildblumen fördern Insekten und Samen Frühjahr bis Herbst
Stauden stehen lassen Samen und Insektenquartiere Herbst und Winter
Laub liegen lassen Nahrung für Bodenlebewesen Herbst und Winter
Reisighaufen erhalten Verstecke und Nahrung Ganzjährig
Auf Insektizide verzichten Erhalt natürlicher Nahrungsquellen Ganzjährig
Fenster sichern Schutz vor Vogelschlag Ganzjährig
Brutplätze respektieren Schutz der Jungenaufzucht Während jeder tatsächlichen Brut

15. Fazit – jeder Kleingarten kann zum Vogelschutz beitragen

jeder Kleingarten kann zum Vogelschutz beitragen

Vogelschutz beginnt nicht erst beim Aufhängen eines Nistkastens oder beim Aufstellen eines Futterhäuschens.

Entscheidend ist ein Garten, der Vögeln das bietet, was sie zum Leben benötigen: Nahrung, Wasser, Schutz und geeignete Brutplätze.

Heimische Gehölze, blühende Wildpflanzen, strukturreiche Beete und der bewusste Verzicht auf unnötige Pflanzenschutzmittel schaffen die Voraussetzungen dafür, dass Vögel dauerhaft in unseren Kleingartenanlagen leben können.

Wer im Herbst einige Samenstände stehen lässt, eine kleine Laubfläche erhält oder einen heimischen Strauch pflanzt, leistet bereits einen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt.

Unser Tipp für alle Kleingärtner

Schaffen Sie nicht nur einen Garten für sich selbst, sondern auch einen Lebensraum für unsere heimische Tierwelt.

Ein lebendiger Kleingarten bietet Platz für Obst, Gemüse, Blumen, Insekten und Vögel.

Je vielfältiger wir unsere Gärten gestalten, desto mehr können wir zum Erhalt unserer heimischen Vogelwelt beitragen.

Quellen- und Informationsverzeichnis

Die folgenden Quellen bieten weiterführende Informationen zum Vogelschutz und zur naturnahen Gestaltung von Kleingärten.

Fachberatung – Schrebergarten-Verein Wedel e.V. · Stand: September 2026