SCHREBERGARTEN-VEREIN WEDEL E. V.
Nützlinge im Kleingarten
Natürliche Helfer für einen lebendigen und gesunden Garten
Ein Kleingarten ist weit mehr als eine Fläche für Gemüse, Obst, Blumen und Erholung. Zwischen Blättern und Blüten, unter Steinen, im Boden, in Hecken und im Totholz leben zahlreiche Tiere, die wichtige Aufgaben im Naturhaushalt übernehmen. Einige bestäuben Blüten, andere zersetzen organisches Material oder ernähren sich von Blattläusen, Raupen, Milben und anderen Pflanzenfressern.
Diese Tiere werden häufig als Nützlinge bezeichnet. Die Bezeichnung beschreibt allerdings in erster Linie ihre Bedeutung aus menschlicher Sicht. In einem natürlichen Ökosystem gibt es nicht einfach nur „Nützlinge“ und „Schädlinge“. Alle Arten sind Bestandteil von Nahrungsketten und erfüllen bestimmte Funktionen. Auch eine Blattlaus ist beispielsweise Nahrungsgrundlage für Marienkäfer, Florfliegenlarven oder Schwebfliegenlarven.
Das Umweltbundesamt empfiehlt deshalb, einen Garten vielfältig und naturnah zu gestalten und einen gewissen Bestand an Pflanzenfressern zu tolerieren, solange keine Massenvermehrung auftritt. Natürliche Gegenspieler benötigen schließlich ebenfalls Nahrung.
Das Ziel sollte deshalb nicht ein möglichst „tierfreier“ Garten sein, sondern ein stabiles ökologisches Gleichgewicht.
Marienkäfer – unsere bekanntesten Blattlausjäger
Sieben Punkte – aber keine Altersangabe
Ein bis heute verbreiteter Irrtum ist, dass die Anzahl der Punkte etwas über das Alter eines Marienkäfers aussagt.
Das stimmt nicht. Anzahl, Form und Anordnung der Punkte sind artspezifische Merkmale. Ein Siebenpunkt besitzt seine sieben Punkte also bereits nach dem Schlupf aus der Puppe und bekommt im Laufe seines Lebens keine weiteren hinzu.
Die Punkte können deshalb zusammen mit anderen Merkmalen bei der Bestimmung einer Marienkäferart helfen.
Nicht nur der Käfer – auch die Larven haben großen Appetit
Wer Marienkäfer als Nützlinge fördern möchte, sollte auch ihre Larven kennen. Sie sehen völlig anders aus als die erwachsenen Käfer und werden deshalb gelegentlich irrtümlich für Schädlinge gehalten.
Die länglichen, dunkel gefärbten Larven des Siebenpunkt-Marienkäfers tragen auffällige Flecken und bewegen sich auf der Suche nach Nahrung aktiv über Blätter und Stängel.
Gerade in dieser Wachstumsphase benötigen die Larven viel Nahrung. Auch die erwachsenen Marienkäfer setzen ihre Jagd fort und können täglich zahlreiche Blattläuse vertilgen. Wie viele Blattläuse tatsächlich gefressen werden, hängt unter anderem von Marienkäferart, Entwicklungsstadium und Nahrungsangebot ab.Marienkäfer reagieren dabei auf ein zunehmendes Nahrungsangebot: Wo sich größere Blattlausbestände entwickeln, finden sich häufig nach einiger Zeit auch ihre natürlichen Gegenspieler ein. Deshalb ist es sinnvoll, beim ersten Auftreten einiger Blattläuse nicht sofort einzugreifen.
Vom Ei zum Marienkäfer
Marienkäferweibchen legen ihre gelblichen Eier häufig in Gruppen an Pflanzen ab, auf denen ausreichend Beutetiere vorhanden sind.
Nach dem Schlupf beginnen die Larven mit der Nahrungssuche. Während ihres Wachstums häuten sie sich mehrfach. Anschließend verpuppen sie sich an einer Pflanze. Aus der Puppe schlüpft schließlich der erwachsene Käfer.
Direkt nach dem Schlupf sehen die Flügeldecken zunächst noch blass aus. Erst anschließend entwickeln sich die charakteristische Färbung und Zeichnung.
Wer Eier, Larven oder Puppen eines Marienkäfers an seinen Pflanzen entdeckt, sollte sie deshalb unbedingt dort belassen.
Der Asiatische Marienkäfer
Neben unseren heimischen Arten begegnet uns inzwischen häufig der Asiatische Marienkäfer (Harmonia axyridis).
Er stammt ursprünglich aus Ostasien und wurde in verschiedenen Ländern gezielt zur biologischen Bekämpfung von Blattläusen eingesetzt. Inzwischen hat er sich auch in Deutschland und weiten Teilen Europas im Freiland etabliert.
Sein Erscheinungsbild ist außerordentlich variabel. Die Flügeldecken können gelblich, orange, rot oder sogar schwarz sein und unterschiedlich viele oder auch keine Punkte tragen. Deshalb lässt er sich nicht allein daran erkennen, dass er mehr Punkte als der Siebenpunkt besitzt.
Ein häufiges Erkennungsmerkmal heller Formen ist die weißliche Halsschildzeichnung mit einer schwarzen Zeichnung, die oftmals an ein „M“ oder „W“ erinnert.
Der Asiatische Marienkäfer ist ebenfalls ein sehr wirkungsvoller Blattlausjäger. Seine starke Ausbreitung wird jedoch aus Naturschutzsicht kritisch betrachtet, weil er mit heimischen Marienkäferarten um Nahrung und Lebensraum konkurrieren und auch andere Insekten beziehungsweise deren Entwicklungsstadien erbeuten kann.
Nützlinge gezielt einsetzen – aber nicht mit der Natur verwechseln
Das historische Beispiel des Asiatischen Marienkäfers zeigt zugleich, dass biologische Schädlingsbekämpfung sorgfältig beurteilt werden muss.
Im biologischen Pflanzenschutz werden natürliche Gegenspieler gezielt gegen bestimmte Schaderreger eingesetzt. Werden dabei große Mengen eines Nützlings freigesetzt, um einen vorhandenen Schädlingsbestand schnell zu reduzieren, spricht man von einer inundativen Freisetzung beziehungsweise Überschwemmungsmethode.
Das ist jedoch etwas anderes als die Förderung natürlich vorkommender Marienkäfer im Kleingarten. Dort besteht die sinnvollste Maßnahme darin, geeignete Lebensbedingungen für bereits vorhandene heimische Nützlinge zu schaffen.
Marienkäfer im Kleingarten fördern
Wer Marienkäfer fördern möchte, sollte deshalb vor allem eines tun: ihnen Nahrung und Lebensraum lassen.
Beim Auftreten weniger Blattläuse muss nicht sofort eingegriffen werden. Ein kleiner Blattlausbestand ist die Nahrungsgrundlage für Marienkäferlarven und erwachsene Tiere sowie für Florfliegen, Schwebfliegen und Schlupfwespen.
Auch geeignete Überwinterungsplätze sind wichtig. Laub, Totholz, Ritzen, hohle Pflanzenstängel und andere trockene, geschützte Bereiche können Marienkäfern Schutz bieten.
Auf unnötige breit wirkende Insektizide sollte möglichst verzichtet werden. Denn eine Maßnahme gegen Blattläuse kann gleichzeitig deren natürliche Gegenspieler treffen.
Wer also einige Blattläuse entdeckt und gleichzeitig Marienkäfer, deren Larven oder Eier findet, hat möglicherweise bereits eine natürliche Schädlingsregulierung im Garten – ganz ohne weiteres Eingreifen.
Florfliegen – die „Goldaugen“ im Garten
Ein weiterer besonders wertvoller Nützling ist die Florfliege. Wegen ihrer auffallend goldfarben schimmernden Augen werden Florfliegen auch als Goldaugen bezeichnet. Ihre meist grünliche Färbung und die großen, durchsichtigen Flügel mit ihrer feinen netzartigen Aderung machen die erwachsenen Tiere unverwechselbar.
In Mitteleuropa kommen mehr als 35 Florfliegenarten vor. Eine der bekanntesten ist die Gemeine Florfliege (Chrysoperla carnea). Erwachsene Florfliegen erreichen je nach Art etwa 10 bis 15 mm Körperlänge.
Die Larven – kleine „Blattlauslöwen“
Die eigentlichen Räuber sind bei vielen Florfliegenarten vor allem die Larven. Wegen ihres großen Appetits auf Blattläuse werden sie treffend als Blattlauslöwen bezeichnet.
Ihr Speiseplan beschränkt sich jedoch nicht auf Blattläuse. Je nach Art und Angebot erbeuten Florfliegenlarven auch Spinnmilben, kleine Raupen und andere kleine Gliederfüßer. Florfliegenlarven werden deshalb sogar gezielt für die biologische Schädlingsbekämpfung eingesetzt.
Die Larven besitzen zwei auffällige, kräftige Saugzangen. Damit packen sie ihre Beute, geben Verdauungssekrete hinein und saugen sie anschließend aus. Ihr etwas ungewöhnliches Aussehen lässt zunächst kaum vermuten, dass aus ihnen später die zarten, grün gefärbten Florfliegen entstehen.
Während ihrer ungefähr dreiwöchigen Larvenentwicklung kann eine Larve der Gemeinen Florfliege bis zu 500 Blattläuse vertilgen. Wie viel tatsächlich gefressen wird, hängt allerdings von Temperatur, Entwicklungsbedingungen und verfügbarem Nahrungsangebot ab.
Damit gehören Florfliegenlarven gemeinsam mit Marienkäfern und den Larven verschiedener Schwebfliegen zu den bedeutenden natürlichen Gegenspielern von Blattläusen.
Eier auf langen Stielen
Auch die Eiablage der Florfliegen ist bemerkenswert. Das Weibchen legt seine kleinen ovalen Eier nicht unmittelbar auf die Blattoberfläche, sondern befestigt jedes einzelne Ei auf einem langen, hauchdünnen Stiel.
Die Eier werden bevorzugt dort abgelegt, wo für die später schlüpfenden Larven ausreichend Nahrung vorhanden ist – beispielsweise in der Nähe von Blattlauskolonien. Ein Weibchen der Gemeinen Florfliege kann mehrere hundert solcher Eier ablegen.
Die langen Eistiele erfüllen dabei eine wichtige Schutzfunktion. Florfliegenlarven sind nicht besonders wählerisch, wenn sie hungrig sind, und Kannibalismus kann vorkommen. Die erhöhte Position der Eier erschwert es frisch geschlüpften Larven und anderen Räubern, die noch nicht geschlüpften Geschwister zu erreichen.
Nach dem Schlüpfen beginnen die kleinen Räuber mit der Nahrungssuche. Nach mehreren Larvenstadien spinnen sie einen Kokon, in dessen Schutz die weitere Verwandlung zur erwachsenen Florfliege stattfindet.
Erwachsene Florfliegen – friedliche Blütenbesucher
Mit dem Übergang zum erwachsenen Tier verändert sich bei der Gemeinen Florfliege die Ernährungsweise. Die erwachsenen Tiere leben überwiegend von Pollen, Blütennektar und Honigtau, den zuckerhaltigen Ausscheidungen von Blattläusen.
Es gibt allerdings auch andere Florfliegenarten, bei denen die erwachsenen Tiere weiterhin räuberisch leben und kleine Gliederfüßer erbeuten. Die Aussage „Florfliegen fressen Blattläuse“ muss deshalb etwas differenziert betrachtet werden: Bei der häufigen Gemeinen Florfliege sind es vor allem die Larven, die als besonders wirkungsvolle Blattlausjäger auftreten.
Wo Florfliegen überwintern
Im Herbst suchen erwachsene Florfliegen geschützte Plätze zur Überwinterung. Dazu gehören trockenes Laub, Baumhöhlen, Mauerritzen und andere frostgeschützte Hohlräume.
Dabei verirren sich Florfliegen regelmäßig auch in Häuser und Wohnungen. Ein dauerhaft beheizter Wohnraum ist für ihre Überwinterung allerdings ungeeignet. Der NABU weist darauf hin, dass es dort auf Dauer zu warm ist. Besser geeignet sind natürliche, kühle und geschützte Überwinterungsplätze im Garten.
Auch spezielle Florfliegenkästen können zusätzliche Rückzugsmöglichkeiten bieten.
Florfliegen im Kleingarten fördern
Wer Florfliegen dauerhaft im Garten haben möchte, sollte ihnen sowohl Nahrung als auch Überwinterungsmöglichkeiten bieten. Ein vielfältiges Angebot ungefüllter Blüten versorgt die erwachsenen Tiere mit Pollen und Nektar. Etwas Laub, natürliche Hohlräume, Totholz und andere geschützte Stellen bieten Rückzugsmöglichkeiten.
Auch hier gilt: Nicht jede Blattlaus muss sofort bekämpft werden. Ein kleiner Blattlausbestand bildet die Nahrungsgrundlage für Florfliegenlarven und andere natürliche Gegenspieler.
Auf unnötige beziehungsweise breit wirkende Insektizide sollte möglichst verzichtet werden, da sie neben den unerwünschten Pflanzenfressern auch deren natürliche Gegenspieler treffen können.
Die Florfliege vereint damit zwei wichtige Funktionen im Garten: Die erwachsenen „Goldaugen“ nutzen Blüten als Nahrungsquelle, während ihre gefräßigen Larven als „Blattlauslöwen“ Blattläuse und andere kleine Pflanzenschädlinge auf natürliche Weise regulieren können.
Schwebfliegen – Bestäuber und Blattlausjäger
Vielen Gartenfreunden ist vermutlich gar nicht bewusst, dass auch Schwebfliegen zu den besonders wertvollen Nützlingen im Garten gehören. Ihren Namen verdanken sie ihrer bemerkenswerten Flugtechnik: Sie können nahezu bewegungslos in der Luft stehen und plötzlich vorwärts, rückwärts oder seitwärts davonfliegen.
Viele Arten erinnern mit ihrer gelb-schwarzen Zeichnung auf den ersten Blick an Wespen oder Bienen. Diese Ähnlichkeit dient dem Schutz vor Fressfeinden und wird als Mimikry bezeichnet. Schwebfliegen selbst sind für Menschen vollkommen harmlos. Sie besitzen keinen Wehrstachel und können nicht stechen. Die Hainschwebfliege (Episyrphus balteatus), eine unserer häufigsten Arten, erreicht beispielsweise eine Körperlänge von etwa 10 Millimetern.
Die Larven – gefürchtete Blattlausjäger
Während die erwachsenen Schwebfliegen friedliche Blütenbesucher sind, leben die Larven vieler Arten räuberisch. Besonders Blattläuse stehen auf ihrem Speiseplan. Daneben können auch Spinnmilben und andere kleine Insekten erbeutet werden.
Die Weibchen legen ihre Eier bevorzugt in der Nähe von Blattlauskolonien ab. Nach dem Schlüpfen müssen die Larven deshalb nicht lange nach Nahrung suchen. Die beinlosen, zunächst eher unscheinbaren Larven ergreifen Blattläuse mit ihren Mundwerkzeugen und saugen sie aus.
Dabei können sie erstaunliche Mengen vertilgen. Die tatsächlich gefressene Zahl hängt von Schwebfliegenart, Entwicklungsdauer, Temperatur und Nahrungsangebot ab. Für verschiedene Arten werden mehrere hundert Blattläuse während der Larvenentwicklung angegeben; für die Hainschwebfliege nennt der NABU sogar bis zu 100 Blattläuse pro Tag. Andere Fachinformationen nennen etwa 400 bis 700 Blattläuse je Larve über die gesamte Entwicklung.
Nach ungefähr zwei Wochen endet bei der Hainschwebfliege das Larvenstadium. Die Larve bildet anschließend ein Puparium, in dem die Verwandlung zur erwachsenen Schwebfliege stattfindet. Die Puppenhülle ist tropfen- beziehungsweise tonnenförmig und kann auf den ersten Blick leicht übersehen werden.
Erwachsene Schwebfliegen – wichtige Bestäuber
Mit der Verwandlung ändert sich auch die Ernährungsweise. Erwachsene Schwebfliegen ernähren sich überwiegend von Nektar und Pollen. Beim Wechsel zwischen den Blüten übertragen sie Pollen und leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Bestäubung.
Neben Bienen und Hummeln gehören Schwebfliegen deshalb zu den bedeutenden Bestäubern unserer Blütenpflanzen.
Besonders geeignet sind Pflanzen mit leicht zugänglichen Blüten. Dazu gehören beispielsweise Doldenblütler sowie verschiedene Korbblütler. Der NABU nennt unter anderem Löwenzahn, Wegwarte und Ringelblume sowie Engelwurz und Giersch. Ein möglichst vielfältiges Blütenangebot vom Frühjahr bis in den Herbst hilft daher, Schwebfliegen dauerhaft im Garten zu fördern.
Schwebfliegen auf großer Reise
Eine besonders erstaunliche Eigenschaft einiger Arten ist ihr Wanderverhalten. Schwebfliegen können ähnlich wie Zugvögel saisonale Wanderungen unternehmen.
Die Hainschwebfliege ist dafür ein eindrucksvolles Beispiel. Viele Tiere ziehen im Herbst in Richtung Mittelmeer und können dabei sogar Alpen und Pyrenäen überqueren. Im folgenden Frühjahr erfolgt die Wanderung wieder in nördliche Richtung.
Damit sind diese nur wenige Millimeter großen Insekten zu erstaunlichen Flugleistungen fähig und verbinden während ihrer Wanderungen weit voneinander entfernte Lebensräume.
Schwebfliegen im Kleingarten fördern
Wer Schwebfliegen unterstützen möchte, sollte für ein möglichst langes und vielfältiges Blütenangebot sorgen. Besonders wertvoll sind ungefüllte, leicht zugängliche Blüten sowie heimische Wild- und Kulturpflanzen.
Ebenso wichtig ist ein zurückhaltender Umgang mit Insektiziden. Denn wer Blattläuse vollständig beseitigt, nimmt gleichzeitig den Larven der Schwebfliegen eine wichtige Nahrungsgrundlage.
Einige Blattläuse an einer Pflanze müssen deshalb nicht sofort bekämpft werden. Häufig lohnt es sich zunächst zu beobachten, ob bereits Marienkäfer, Florfliegen oder Schwebfliegen beziehungsweise deren Larven vorhanden sind.
Die Schwebfliege erfüllt damit gleich zwei wichtige Aufgaben im Kleingarten: Als erwachsenes Tier hilft sie bei der Bestäubung unserer Pflanzen – und als Larve kann sie Blattlausbestände auf natürliche Weise regulieren.
Wildbienen – unverzichtbare Bestäuber
Wildbienen gehören zu den wichtigsten Bestäubern im Garten. Anders als die Honigbiene bilden die meisten Wildbienenarten keine großen Staaten, sondern leben einzeln. In Deutschland kommen mehrere hundert Arten vor, die sich in Größe, Lebensweise und ihren Ansprüchen an Nahrung und Nistplätze erheblich unterscheiden.
Beim Sammeln von Pollen und Nektar übertragen Wildbienen Blütenpollen von einer Blüte zur nächsten. Damit tragen sie zur Bestäubung zahlreicher Wild- und Kulturpflanzen bei. Auch im Kleingarten profitieren beispielsweise Obstgehölze, Beerensträucher und verschiedene Gemüsearten von einer vielfältigen Bestäubergemeinschaft.
Wer Wildbienen fördern möchte, sollte ihnen vor allem Nahrung und geeignete Nistmöglichkeiten anbieten. Besonders wertvoll ist ein möglichst durchgängiges Angebot heimischer Blütenpflanzen vom zeitigen Frühjahr bis in den Herbst. Ungefüllte Blüten ermöglichen einen guten Zugang zu Pollen und Nektar.
Ein sogenanntes Insektenhotel hilft nur einem Teil der Wildbienenarten. Viele Arten nisten im Boden und benötigen dafür sonnige, möglichst ungestörte und teilweise nur schwach bewachsene oder offene Bodenstellen. Andere nutzen vorhandene Hohlräume oder Pflanzenstängel.
Deshalb ist die Kombination verschiedener Lebensräume wesentlich wertvoller als eine einzelne Nisthilfe.
Schmetterlinge – Bestäuber und Teil der Nahrungskette
Schmetterlinge bereichern den Kleingarten nicht nur durch ihre Farben. Beim Besuch von Blüten nehmen die erwachsenen Tiere Nektar auf und können dabei Pollen zwischen Blüten übertragen. Damit gehören auch sie zur Gemeinschaft der Bestäuber.
Für einen schmetterlingsfreundlichen Garten reicht es jedoch nicht aus, ausschließlich nektarreiche Blüten für die erwachsenen Falter anzubieten.
Mindestens ebenso wichtig sind die Futterpflanzen der Raupen. Viele Schmetterlingsarten sind während ihres Raupenstadiums auf bestimmte Pflanzen oder Pflanzengruppen angewiesen. Eine Pflanze, deren Blätter angefressen werden, kann deshalb gleichzeitig ein wichtiger Bestandteil des natürlichen Lebensraums sein.
Ein bekanntes Beispiel ist die Brennnessel. Sie dient unter anderem den Raupen verschiedener heimischer Tagfalter als Nahrungspflanze.
Wer in einer geeigneten Gartenecke einige Wildpflanzen stehen lässt und verblühte Stauden nicht bereits im Herbst vollständig entfernt, schafft zusätzliche Entwicklungs- und Überwinterungsmöglichkeiten.
Auch die Raupen selbst erfüllen eine wichtige ökologische Funktion: Sie sind Nahrung für Vögel und andere Tiere. Gerade während der Jungenaufzucht sind Raupen für verschiedene Vogelarten von großer Bedeutung.
Ein schmetterlingsfreundlicher Garten braucht deshalb sowohl Nektarpflanzen für die Falter als auch Futterpflanzen und Rückzugsräume für ihre Raupen.
Schlupfwespen – kleine Parasitoide mit großer Wirkung
Nicht alle Nützlinge gehen aktiv auf die Jagd und fressen ihre Beute. Eine andere, besonders interessante Gruppe bilden die parasitoid lebenden Nützlinge. Zu ihnen gehören zahlreiche Schlupfwespenarten.
Viele dieser Tiere sind nur wenige Millimeter groß und werden deshalb im Garten kaum wahrgenommen. Die verschiedenen Arten beziehungsweise Artengruppen haben sich auf unterschiedliche Wirte spezialisiert. Dazu gehören beispielsweise Blattläuse, Raupen, Käfer oder Wanzen beziehungsweise deren Entwicklungsstadien.
Gerade bei Blattläusen lässt sich die besondere Lebensweise einiger Schlupfwespen gut beobachten. Das Weibchen sucht geeignete Blattläuse und legt mit seinem Legestachel ein Ei in den Wirt. Aus dem Ei schlüpft eine Larve, die sich innerhalb der Blattlaus entwickelt und von ihr ernährt.
Die befallene Blattlaus stirbt schließlich ab. Bei verschiedenen Aphidius-Arten verfärbt sie sich bräunlich bis bronzefarben, bläht sich auf und bildet eine charakteristische sogenannte Blattlausmumie. Die fertig entwickelte Schlupfwespe verlässt diese schließlich durch ein nahezu kreisrundes Loch. Solche leeren Blattlausmumien an einer Pflanze sind deshalb ein gut sichtbares Zeichen dafür, dass natürliche Gegenspieler bereits aktiv sind.
Schlupfwespen verfügen über ein sehr gutes Suchvermögen und können selbst einzeln sitzende Blattläuse aufspüren. Dabei ist allerdings nicht jede Schlupfwespe gegen jede Blattlausart wirksam. Verschiedene Arten haben unterschiedliche Wirtsspektren. Bei einem gezielten Einsatz ist es deshalb hilfreich, die vorhandene Blattlausart zu kennen oder eine dafür geeignete Mischung verschiedener Schlupfwespenarten zu verwenden.
Besonders wirkungsvoll ist der Einsatz bei beginnendem beziehungsweise noch geringem Befall. Bei größeren Blattlauskolonien können räuberische Nützlinge wie Florfliegenlarven, Schwebfliegenlarven, räuberische Gallmücken oder Marienkäfer eine sinnvolle Ergänzung sein, da sie in kurzer Zeit zahlreiche Blattläuse erbeuten können.
Auch Temperatur, Licht und Tageslänge beeinflussen die Aktivität und Entwicklung verschiedener Nützlinge. Deshalb kann nicht allgemein gesagt werden, dass „die Schlupfwespe“ ab einer bestimmten Temperatur aktiv wird. Die Ansprüche unterscheiden sich je nach Art. Für verschiedene im biologischen Pflanzenschutz eingesetzte Blattlaus-Schlupfwespen werden beispielsweise Mindesttemperaturen um 15 °C angegeben.
Schlupfwespen gegen die Weiße Fliege
Eine besondere Bedeutung haben Schlupfwespen auch bei der Bekämpfung der Weißen Fliege, die vor allem im Gewächshaus an Tomaten, Gurken und verschiedenen Zierpflanzen auftreten kann.
Zu den bekanntesten biologischen Gegenspielern gehört Encarsia formosa. Diese sehr kleine parasitoide Wespe wird seit vielen Jahren im professionellen biologischen Pflanzenschutz eingesetzt und kann auch im Kleingewächshaus Verwendung finden. Sie parasitiert Entwicklungsstadien der Weißen Fliege und unterbricht dadurch deren weitere Entwicklung.
Für den erfolgreichen Einsatz sind geeignete klimatische Bedingungen erforderlich. Für Encarsia formosa nennt die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen beispielsweise einen Temperaturbereich von etwa 20 bis 27 °C. Andere Schlupfwespenarten wie Eretmocerus werden ebenfalls gegen Weiße Fliegen eingesetzt und besitzen wiederum andere Temperaturansprüche.
Deshalb gilt auch hier: Je früher ein Befall erkannt wird, desto besser lassen sich biologische Gegenspieler gezielt einsetzen. Gelbtafeln können im Gewächshaus beispielsweise dazu dienen, einen beginnenden Befall mit Weißen Fliegen frühzeitig festzustellen.
Der Einsatz von Schlupfwespen zeigt besonders anschaulich, dass biologischer Pflanzenschutz nicht immer bedeutet, dass ein Nützling einen Schädling unmittelbar frisst. Parasitoide nutzen ihren Wirt zur Entwicklung der nächsten Generation und können dadurch dazu beitragen, Schädlingspopulationen auf natürliche Weise zu regulieren.
Das Julius Kühn-Institut führt Parasitoide neben räuberischen Nützlingen und entomopathogenen Nematoden als wichtige Gegenspieler von Pflanzenschädlingen auf.
Raubmilben – winzige Jäger auf Pflanzen und im Boden
Raubmilben sind mit bloßem Auge oft kaum zu erkennen. Dennoch können sie wichtige Gegenspieler verschiedener kleiner Pflanzenschädlinge sein.
Anders als pflanzenschädigende Milben leben viele Raubmilbenarten räuberisch. Je nach Art können sie beispielsweise Spinnmilben, Thripse beziehungsweise deren Larven und andere kleine Gliederfüßer erbeuten.
Andere Raubmilbenarten leben überwiegend im Boden und ernähren sich dort von kleinen Bodenorganismen.
Raubmilben können natürlicherweise vorkommen, bestimmte Arten werden aber auch gezielt für den biologischen Pflanzenschutz gezüchtet. Das Julius Kühn-Institut führt Raubmilben ausdrücklich unter den in Deutschland kommerziell verfügbaren und in der Praxis eingesetzten Nützlingen auf.
Besonders bewährt hat sich der gezielte Nützlingseinsatz unter kontrollierten Bedingungen, beispielsweise in Gewächshäusern. Die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein nennt hier unter anderem den Einsatz von Nützlingen gegen Spinnmilben und Thripse.
Dabei ist wichtig:
Raubmilbe ist nicht gleich Raubmilbe. Unterschiedliche Arten haben unterschiedliche Beutetiere und Ansprüche an Temperatur und Feuchtigkeit. Wer Raubmilben gezielt einsetzen möchte, sollte deshalb zunächst den Schädling möglichst sicher bestimmen und anschließend die dafür geeignete Raubmilbenart auswählen.
Nematoden – nützliche Fadenwürmer im Boden
Nematoden, auch Fadenwürmer genannt, bilden eine sehr große und vielfältige Tiergruppe. Zahlreiche Arten leben natürlicherweise im Boden.
Dabei muss unterschieden werden: Einige Nematoden können Pflanzen schädigen. Andere Arten beziehungsweise Stämme sind dagegen natürliche Gegenspieler von Insekten und werden gezielt im biologischen Pflanzenschutz eingesetzt.
Solche entomopathogenen Nematoden können bestimmte im Boden lebende Schadinsekten beziehungsweise deren Entwicklungsstadien befallen.
Die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein nennt räuberische beziehungsweise parasitische Nematoden unter anderem als Gegenspieler von Dickmaulrüsslerlarven, Engerlingen und weiteren Schadinsekten im Boden.
Auch das Julius Kühn-Institut führt insektenpathogene Nematoden als wichtige biologische Gegenspieler von Pflanzenschädlingen auf.
Bei einem gezielten Einsatz werden die mikroskopisch kleinen Nematoden üblicherweise mit Wasser ausgebracht. Im Boden suchen sie geeignete Wirte.
Für den Erfolg sind jedoch mehrere Faktoren entscheidend. Die verwendete Nematodenart muss zum vorhandenen Schädling und dessen Entwicklungsstadium passen. Auch Bodentemperatur und Bodenfeuchtigkeit spielen eine wichtige Rolle.
Nematoden sollten deshalb nicht einfach auf Verdacht eingesetzt werden. Zunächst sollte möglichst sicher geklärt werden, welcher Schädling vorhanden ist. Anschließend kann die geeignete Nematodenart ausgewählt und zum richtigen Zeitpunkt eingesetzt werden.
Laufkäfer – nachts auf der Jagd
Unter Steinen, Holz, Laub und anderen Verstecken lassen sich häufig Laufkäfer entdecken.
Viele Arten sind vor allem nachts aktiv. Je nach Art erbeuten sie unterschiedliche kleine Bodentiere und Insekten beziehungsweise deren Entwicklungsstadien.
Für Laufkäfer sind ungestörte Bodenbereiche und Versteckmöglichkeiten wichtig. Laub, Totholz, Steine und eine abwechslungsreiche Bodenstruktur bieten ihnen geeignete Rückzugsräume.
Die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein zählt Laufkäfer zu den natürlichen Gegenspielern verschiedener Schaderreger im Garten.
Spinnen – unterschätzte Jäger
Auch Spinnen gehören zu den wichtigen Räubern im Garten.
Netzbauende Arten fangen zahlreiche fliegende Insekten. Andere Spinnen bauen kein Fangnetz, sondern suchen aktiv nach Beute.
Spinnennetze zwischen Stauden, Sträuchern oder an wenig genutzten Stellen müssen deshalb nicht grundsätzlich entfernt werden.
Auch das Umweltbundesamt zählt Spinnen zu den Tieren, die im Naturhaushalt wichtige Aufgaben als Räuber übernehmen.
Ohrwürmer – nützlich, aber keine reinen Schädlingsjäger
Der Ohrwurm, häufig auch Ohrkneifer genannt, gehört zu den typischen Bewohnern eines Gartens.
Er ist ein Allesfresser und kann unter anderem Blattläuse und andere kleine Tiere fressen. Deshalb werden mit Stroh oder Holzwolle gefüllte, umgedrehte Blumentöpfe häufig als Tagesverstecke angeboten.
Ohrwürmer sind allerdings keine reinen Schädlingsvertilger. Sie können sich ebenfalls von weichen Pflanzenteilen oder Früchten ernähren.
Gerade der Ohrwurm zeigt deshalb sehr schön, warum die strenge Einteilung der Natur in „Nützlinge“ und „Schädlinge“ problematisch ist. Das Umweltbundesamt weist ebenfalls darauf hin, dass Tiere nicht ausschließlich „gute“ oder „schlechte“ Eigenschaften besitzen.
Vögel – fleißige Helfer bei der Jungenaufzucht
Meisen, Rotkehlchen, Zaunkönige und zahlreiche andere Gartenvögel ernähren sich zumindest zeitweise von Insekten, Larven, Raupen und anderen kleinen Tieren.
Besonders während der Jungenaufzucht benötigen viele Vogelarten tierische Nahrung.
Hecken, Sträucher und Bäume bieten ihnen Nahrung, Deckung und Nistmöglichkeiten. Nistkästen können dort zusätzliche Brutplätze schaffen, wo natürliche Höhlen fehlen.
Sie ersetzen jedoch keinen abwechslungsreich gestalteten Garten. Denn ohne Insekten und andere kleine Tiere fehlt vielen Vögeln gleichzeitig eine wichtige Nahrungsgrundlage.
Heimische Stauden, Gehölze und Hecken helfen deshalb gleich mehrfach: Sie bieten Insekten Lebensraum und Nahrung und fördern damit indirekt auch die Vogelwelt.
Igel – ein willkommener Gartenbewohner
Der Igel gehört zu den beliebtesten Besuchern im Kleingarten. Er sucht seine Nahrung überwiegend am Boden und frisst verschiedene Wirbellose.
Wer Igel fördern möchte, sollte ihnen vor allem Lebensraum bieten.
Laub- und Reisighaufen, Totholz, dichtes Gebüsch und andere geschützte Bereiche können als Rückzugs- und Überwinterungsmöglichkeiten dienen.
Wichtig sind außerdem Verbindungen zwischen benachbarten Gärten. Vollständig geschlossene Grundstücksgrenzen können die Nahrungssuche erschweren.
Ein naturnaher Garten bietet dem Igel nicht nur einen Schlafplatz, sondern vor allem ein vielfältiges natürliches Nahrungsangebot.
Kröten, Frösche und andere Amphibien
Auch Amphibien können im Kleingarten wertvolle Mitbewohner sein. Kröten und Frösche ernähren sich von unterschiedlichen kleinen Wirbellosen.
Ein naturnaher Gartenteich kann Amphibien Lebensraum und Fortpflanzungsmöglichkeiten bieten. Wichtig sind geeignete flache Uferzonen und sichere Möglichkeiten, das Wasser wieder zu verlassen.
Wer einen Gartenteich vor allem als Lebensraum für Amphibien und Insekten anlegt, sollte auch den Fischbesatz kritisch betrachten, denn Fische können Laich und zahlreiche kleine Wasserorganismen fressen.
Eidechsen – Sonnenanbeter und geschickte Jäger
Auch Eidechsen können in geeigneten Kleingärten vorkommen. Als wechselwarme Tiere benötigen sie sonnige und warme Plätze, an denen sie ihre Körpertemperatur erhöhen können.
Sie ernähren sich überwiegend von kleinen Tieren. Je nach Art und Angebot gehören dazu beispielsweise Insekten, Spinnen und andere kleine Wirbellose. Damit sind Eidechsen Bestandteil des natürlichen Räuber-Beute-Gefüges im Garten.
Ein strukturreicher Garten bietet ihnen die besten Voraussetzungen. Besonders wertvoll sind sonnige Steine, Trockenmauern, Totholz, Reisighaufen, dicht bewachsene Bereiche und andere Versteckmöglichkeiten. Ideal ist ein Wechsel zwischen offenen, sonnigen Flächen und schützender Vegetation.
Wichtig ist, solche Bereiche möglichst wenig zu stören. Auch beim Mähen, Umsetzen von Holz- oder Steinhaufen und bei anderen Gartenarbeiten sollte auf dort lebende Tiere geachtet werden.
Eidechsen sollte man nicht gezielt „ansiedeln“ oder aus der Natur in den Garten holen. Wo geeignete Lebensräume vorhanden und die Tiere in der Umgebung heimisch sind, können sie einen Garten selbstständig als Lebensraum nutzen.
Ein Garten, der Eidechsen geeignete Bedingungen bietet, kommt gleichzeitig zahlreichen Insekten und anderen Kleintieren zugute.
Nützlinge fördern – Lebensräume schaffen
Die Förderung von Nützlingen beginnt nicht mit dem Kauf eines Insektenhotels. Entscheidend ist die Gestaltung des gesamten Gartens.
Das Umweltbundesamt empfiehlt vielfältige, naturnahe Gärten, in denen Tiere dauerhaft Nahrung, Wohnraum und Rückzugsmöglichkeiten finden. Selbst kleine naturnahe Bereiche können als Trittsteinbiotope wertvoll sein.
Heimische Pflanzen bevorzugen
Eine abwechslungsreiche Bepflanzung mit heimischen Stauden, Gehölzen und Wildpflanzen bietet zahlreichen Tieren Nahrung.
Dabei sollte möglichst vom zeitigen Frühjahr bis in den Herbst etwas blühen.
Besonders bei Zierpflanzen sind ungefüllte Blüten wertvoll, weil Pollen und Nektar für Insekten leichter erreichbar sind.
Nicht alles im Herbst abschneiden
Verblühte Stauden müssen nicht bereits im Herbst vollständig zurückgeschnitten werden.
Stängel, Samenstände und trockene Pflanzenteile bieten im Winter Nahrung und Versteckmöglichkeiten. In und an ihnen können außerdem Insekten beziehungsweise deren Entwicklungsstadien überwintern.
Das Umweltbundesamt empfiehlt deshalb, Stauden möglichst erst im Frühjahr zurückzuschneiden.
Laub darf liegen bleiben
Herbstlaub muss nicht aus jedem Winkel des Gartens entfernt werden.
Unter Hecken und Sträuchern kann es den Boden schützen und zahlreichen Tieren als Versteck oder Überwinterungsplatz dienen. Bodenorganismen zersetzen das Material mit der Zeit und führen die darin enthaltenen Nährstoffe wieder dem natürlichen Kreislauf zu.
Ausnahmen können beispielsweise krankes Pflanzenmaterial oder Bereiche sein, in denen eine geschlossene Laubschicht unerwünscht ist.
Auch das Umweltbundesamt empfiehlt, Herbstlaub nur dort zu entfernen, wo dies tatsächlich erforderlich ist.
Totholz ist voller Leben
Ein kleiner Totholzhaufen benötigt wenig Platz und bietet zahlreichen Käfern, anderen Insekten und Bodenorganismen Lebensraum.
Auch einzelne Äste und Stammstücke können an geeigneten Stellen im Garten verbleiben.
Zusammen mit Steinen, Laub, offenen Bodenstellen und dichter Vegetation entstehen dadurch unterschiedliche Kleinlebensräume.
Eine wilde Ecke darf sein
Nicht jeder Quadratmeter des Kleingartens muss gleich aussehen.
Eine kleine Ecke mit Brennnesseln, Wildpflanzen, Totholz oder Laub kann für zahlreiche Tiere ausgesprochen wertvoll sein.
Brennnesseln beispielsweise sind wichtige Futterpflanzen für die Raupen verschiedener Schmetterlingsarten. Das Umweltbundesamt empfiehlt deshalb ausdrücklich, neben Nahrungspflanzen für erwachsene Schmetterlinge auch die Bedürfnisse ihrer Raupen zu berücksichtigen.
Ein solcher Bereich muss keineswegs den gesamten Garten bestimmen. Bereits kleinere Flächen können einen wertvollen Beitrag leisten.
Insektenhotel – sinnvoll, aber kein Ersatz für Lebensraum
Ein Insektenhotel kann bestimmten Wildbienen und anderen Insekten geeignete Nistmöglichkeiten bieten – vorausgesetzt, es ist fachgerecht gebaut.
Viele handelsübliche Modelle sind allerdings ungeeignet. Außerdem nistet die Mehrheit der Wildbienenarten gar nicht in solchen Nisthilfen, sondern beispielsweise im Boden.
Das Umweltbundesamt empfiehlt deshalb für bodennistende Wildbienen unter anderem offene Sandbereiche beziehungsweise ein geeignet angelegtes Sandarium.
Ein Insektenhotel kann somit eine sinnvolle Ergänzung sein. Viel wichtiger bleibt aber ein Garten, der ausreichend Nahrung und unterschiedliche natürliche Lebensräume bietet.
Wasser für Tiere
Auch Tiere benötigen im Sommer zuverlässige Wasserstellen.
Eine flache Wasserschale kann Vögeln und Insekten helfen. Für Insekten sollten Steine oder andere sichere Landemöglichkeiten aus dem Wasser herausragen.
Wasserstellen sollten regelmäßig gereinigt und mit frischem Wasser versorgt werden.
Ein naturnaher Gartenteich schafft darüber hinaus einen eigenen Lebensraum für zahlreiche Tiere und Pflanzen.
Vorsicht mit Pflanzenschutzmitteln
Wer natürliche Gegenspieler fördern möchte, sollte beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln besonders zurückhaltend sein.
Insektizide können nicht nur die Organismen treffen, gegen die sie eingesetzt werden. Auch Nützlinge können unmittelbar oder indirekt geschädigt werden.
Wer beispielsweise sämtliche Blattläuse beseitigt, nimmt gleichzeitig Marienkäfern, Florfliegen- und Schwebfliegenlarven einen Teil ihrer Nahrungsgrundlage.
Das Umweltbundesamt empfiehlt deshalb vorbeugende Maßnahmen wie geeignete Standorte, robuste Pflanzen, Fruchtfolge, Mischkultur, Kulturschutznetze und die Förderung natürlicher Gegenspieler.
Nützlinge kaufen und gezielt einsetzen
Neben der Förderung natürlich vorkommender Tiere können bestimmte Nützlinge auch gezielt gekauft und eingesetzt werden.
Dazu gehören beispielsweise:
Das Julius Kühn-Institut führt eine Übersicht der in Deutschland kommerziell verfügbaren biologischen Gegenspieler. Der Einsatz solcher Organismen ist seit vielen Jahren Bestandteil des integrierten Pflanzenschutzes und spielt insbesondere im geschützten Anbau eine wichtige Rolle.
Im Kleingarten sollte ein gekaufter Nützling allerdings nicht einfach auf Verdacht ausgebracht werden.
Zuerst muss möglichst sicher festgestellt werden:
Welcher Schädling ist vorhanden? In welchem Entwicklungsstadium befindet er sich? Welcher Gegenspieler ist dafür geeignet? Stimmen Temperatur, Feuchtigkeit und Einsatzzeitpunkt?
Erst danach lässt sich entscheiden, ob ein gezielter Nützlingseinsatz sinnvoll ist.
Nützlinge auf einen Blick
| Nützling | Hilft unter anderem bei | Förderung bzw. Einsatz |
|---|---|---|
![]() Marienkäfer |
Blattläusen | Blattläuse in geringem Umfang tolerieren; Laub, Totholz und Verstecke |
![]() Florfliegen |
Blattläusen und anderen kleinen Gliederfüßern | vielfältiges Blütenangebot, geschützte Bereiche |
![]() Schwebfliegen |
Blattläusen; erwachsene Tiere bestäuben Blüten | ungefüllte Blüten, lange Blütezeit |
![]() Wildbienen |
wichtige Bestäuber zahlreicher Wild- und Kulturpflanzen | heimische Blütenpflanzen, ungefüllte Blüten, offene Bodenstellen, geeignete Nisthilfen |
![]() Schlupfwespen |
verschiedenen Schadinsekten – abhängig von der Art | naturnaher Garten; bestimmte Arten gezielt einsetzbar |
![]() Schmetterlinge |
Bestäuber; Raupen sind wichtiger Bestandteil der Nahrungskette | heimische Nektar- und Raupenfutterpflanzen, Wildblumen, Brennnesseln, Verzicht auf Insektizide |
![]() Raubmilben |
z. B. Spinnmilben und Thripsen – abhängig von der Art | schonender Pflanzenschutz; geeignete Arten gezielt einsetzbar |
![]() Nematoden |
z. B. Dickmaulrüsslerlarven und bestimmte andere Bodeninsekten | passende Art gezielt einsetzen; Temperatur und Bodenfeuchtigkeit beachten |
![]() Laufkäfer |
verschiedenen Insekten und anderen kleinen Bodentieren | Laub, Steine, Totholz und ungestörte Bodenbereiche |
![]() Spinnen |
zahlreichen Insekten | Stauden, Hecken und ungestörte Bereiche |
![]() Ohrwürmer |
unter anderem Blattläusen | natürliche Verstecke oder geeignete Tagesquartiere |
![]() Vögel |
Raupen, Insekten und Larven | heimische Gehölze, Hecken und Nistmöglichkeiten |
![]() Igel |
verschiedenen Wirbellosen | Laub, Reisig, Totholz, Gebüsch und Durchgänge |
![]() Kröten und Frösche |
verschiedenen kleinen Wirbellosen | naturnaher Teich und geschützte Bereiche |
![]() Eidechsen |
fressen Insekten, Spinnen und andere kleine Wirbellose | sonnige Steine und Trockenbereiche, Totholz, Verstecke und ungestörte Gartenbereiche |
Die Zuordnung ist eine Orientierung. Welche Beute tatsächlich genutzt wird, hängt bei vielen Nützlingen stark von der jeweiligen Art ab. Gerade bei Raubmilben und Nematoden ist eine genaue Bestimmung vor einem gezielten Einsatz besonders wichtig.
Ein Garten darf leben
Ein nützlingsfreundlicher Kleingarten muss nicht ungepflegt aussehen.
Gemüsebeete, Obstgehölze, Stauden, Blumenbeete und Rasenflächen können problemlos mit naturnahen Bereichen kombiniert werden.
Eine kleine Wildblumenfläche, heimische Stauden, eine Hecke, etwas Totholz, Laub unter Sträuchern, offene Bodenstellen und eine Wasserstelle schaffen gemeinsam unterschiedliche Lebensräume.
Ebenso wichtig ist eine gewisse Toleranz. Einige Blattläuse, Raupen und andere Pflanzenfresser gehören zu einem funktionierenden Gartenökosystem und bilden wiederum die Nahrungsgrundlage ihrer natürlichen Gegenspieler.
Je vielfältiger ein Garten gestaltet ist, desto größer ist die Chance, dass sich Pflanzenfresser und ihre natürlichen Gegenspieler in einem natürlichen Gleichgewicht halten.
Damit wird der Kleingarten nicht nur zum Ort für Pflanzen und Menschen, sondern zu einem Lebensraum für zahlreiche Tierarten.
Quellen und weiterführende Informationen
Umweltbundesamt – Mit Nützlingen gärtnern Grundlegende Informationen zur Förderung von Nützlingen, naturnaher Gartengestaltung, heimischen Pflanzen, Blühflächen, Totholz, Laub, Wasserstellen, Wildbienen, Schmetterlingen, Marienkäfern und zum zurückhaltenden Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Die Seite behandelt außerdem den kommerziellen Nützlingseinsatz und mögliche Probleme gebietsfremder Arten. Zuletzt aktualisiert am 10.06.2026.
Umweltbundesamt – Mit Nützlingen gärtnern
Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein – Nützlinge: nützliche Helfer im Garten
Übersicht natürlicher Gegenspieler im Garten und ihrer Schaderreger. Behandelt unter anderem Marienkäfer, Florfliegen, Laufkäfer, Nematoden, Igel und Amphibien sowie die Bedeutung biologischer Selbstregulationsmechanismen im Garten.
Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein – Nützlinge im Garten
Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen – Biologische Bekämpfung von Blattläusen
Fachinformationen über natürliche Gegenspieler von Blattläusen. Behandelt Schlupfwespen, Florfliegenlarven, Schwebfliegenlarven, Marienkäfer und räuberische Gallmücken sowie die Bedeutung von Blattlausart, Temperatur, Licht und Tageslänge beim gezielten Nützlingseinsatz.
Landwirtschaftskammer NRW – Biologische Bekämpfung von Blattläusen
Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen – Räuber gegen Blattläuse
Vertiefende Informationen zu Marienkäfern, Florfliegen, Schwebfliegen und anderen räuberisch lebenden Blattlausfeinden. Enthält unter anderem Angaben zu Entwicklungsstadien, Lebensweise und zum Einsatz dieser Nützlinge im biologischen Pflanzenschutz.
Landwirtschaftskammer NRW – Räuber gegen Blattläuse
Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen – Schlupfwespen zur Bekämpfung von Blattläusen Vertiefende Informationen zur Parasitierung von Blattläusen durch Schlupfwespen, zur Entstehung der charakteristischen Blattlausmumien, zum Schlupf der erwachsenen Tiere sowie zu Wirtsspezialisierung, Entwicklungsdauer und Temperaturansprüchen.
Landwirtschaftskammer NRW – Schlupfwespen gegen Blattläuse
NABU – Insektentrainer: Hainschwebfliege
Informationen zur Lebensweise der Hainschwebfliege, ihrer Ernährung und zu geeigneten Blütenpflanzen. Die Seite eignet sich insbesondere als Quelle für unseren erweiterten Abschnitt über Schwebfliegen.
NABU Insektentrainer – Hainschwebfliege
NABU – Insektentrainer: Florfliege
Informationen über Florfliegen beziehungsweise „Goldaugen“, ihre Entwicklung, Ernährung und Bedeutung als natürliche Gegenspieler von Blattläusen.
NABU Insektentrainer – Florfliege
Julius Kühn-Institut (JKI) – Biologische Regulierung von Pflanzenschädlingen Fachinformationen zu biologischen Pflanzenschutzverfahren und zum Einsatz natürlicher Gegenspieler wie Räubern, Parasitoiden und entomopathogenen Nematoden.
Julius Kühn-Institut – Biologische Regulierung von Pflanzenschädlingen
Julius Kühn-Institut (JKI) – Kommerziell erhältliche Nützlinge in Deutschland
Übersicht der für den biologischen Pflanzenschutz verfügbaren Nützlinge. Relevant insbesondere für die Abschnitte über Schlupfwespen, Raubmilben und entomopathogene Nematoden.














