Schrebergarten-
Verein Wedel e.V.
seit 1920
Pflanzenschutz im Kleingarten
Ein gesunder Garten braucht nicht zwangsläufig Pflanzenschutzmittel
Flagge des Schrebergarten-Vereins Wedel e. V.

SCHREBERGARTEN-VEREIN WEDEL E. V.

Pflanzenschutz im Kleingarten

Ein gesunder Garten braucht nicht zwangsläufig Pflanzenschutzmittel. Im Gegenteil: Ein naturnah bewirtschafteter Kleingarten mit gesunden Böden, geeigneten Pflanzen, abwechslungsreichen Kulturen und vielen Nützlingen kann viele Probleme selbst regulieren.

Moderner Pflanzenschutz beginnt deshalb nicht erst dann, wenn Blattläuse, Pilzerkrankungen oder andere Schaderreger auftreten. Er beginnt bereits bei der Auswahl der Pflanzen, beim Standort, bei der Bodenpflege und bei einer möglichst vielfältigen Gestaltung des Gartens.

Integrierter Pflanzenschutz – vorbeugen statt bekämpfen

Das Pflanzenschutzgesetz stellt den sogenannten integrierten Pflanzenschutz in den Mittelpunkt. Dabei werden verschiedene Maßnahmen miteinander kombiniert und chemische Pflanzenschutzmittel auf das notwendige Maß begrenzt.

Für den Kleingarten bedeutet das vor allem:

standortgerechte und möglichst widerstandsfähige Pflanzen auswählen,
auf gesunden und lebendigen Boden achten,
Fruchtfolge und Mischkultur berücksichtigen,
Pflanzen ausreichend, aber nicht übermäßig düngen,
richtig und möglichst bodennah bewässern,
befallene Pflanzenteile frühzeitig entfernen,
Pflanzen regelmäßig auf Krankheiten und Schädlinge kontrollieren,
Nützlinge fördern und Lebensräume für sie schaffen,
mechanische und biologische Verfahren bevorzugen und
chemische Pflanzenschutzmittel nur einsetzen, wenn andere geeignete Maßnahmen nicht ausreichen.

Ziel ist nicht ein vollkommen schädlingsfreier Garten. Blattläuse, Raupen, Käfer und andere Tiere gehören zu einem funktionierenden Ökosystem. Erst ein stärkerer Befall, der Pflanzen erheblich schädigt oder Ernten gefährdet, macht Gegenmaßnahmen erforderlich.

Pflanzenschutz beginnt mit der richtigen Pflanze

Viele Pflanzenkrankheiten entstehen oder verstärken sich, wenn die Pflanze am falschen Standort steht.

Eine sonnenliebende Pflanze entwickelt sich im Schatten schlechter und kann anfälliger für Krankheiten werden. Pflanzen, die trockene Böden bevorzugen, leiden unter Staunässe. Umgekehrt geraten Pflanzen mit hohem Wasserbedarf auf trockenen Standorten schnell unter Stress.

Auch eine zu dichte Bepflanzung kann Probleme verursachen. Bleiben Blätter nach Regen oder Bewässerung lange feucht und kann die Luft zwischen den Pflanzen schlecht zirkulieren, werden verschiedene Pilzerkrankungen begünstigt.

Deshalb gilt:

Die richtige Pflanze am richtigen Standort ist eine der wirksamsten Pflanzenschutzmaßnahmen.

Gesunder Boden – gesunde Pflanzen

Ein lebendiger Boden versorgt Pflanzen nicht nur mit Nährstoffen und Wasser. Er bildet die Grundlage für kräftiges Wachstum und widerstandsfähige Pflanzen.

Kompost, organisches Material und eine schonende Bodenbearbeitung fördern das Bodenleben. Eine dauerhafte Bodenbedeckung kann Austrocknung und Erosion vermindern.

Auch beim Düngen gilt: Viel hilft nicht immer viel. Eine übermäßige Stickstoffversorgung kann sehr weiches Pflanzengewebe fördern. Solche Pflanzen können beispielsweise für Blattläuse und bestimmte Pilzerkrankungen anfälliger sein.

Düngemittel sollten deshalb bedarfsgerecht eingesetzt werden. Bei Unsicherheit über den Nährstoffzustand empfiehlt sich eine Bodenuntersuchung.

Pflanzen regelmäßig kontrollieren

Viele Probleme lassen sich gut beherrschen, wenn sie früh erkannt werden.

Bei einem Rundgang durch den Garten sollte deshalb gelegentlich auch die Unterseite der Blätter betrachtet werden. Veränderungen wie Flecken, Verfärbungen, Fraßstellen, eingerollte Blätter, Gespinste oder ungewöhnliche Beläge können erste Hinweise auf einen Befall sein.

Wichtig ist jedoch zunächst die richtige Diagnose.

Nicht jede Veränderung an einer Pflanze wird durch einen Schädling oder eine Krankheit verursacht. Trockenheit, Staunässe, Frost, Sonnenbrand, Nährstoffmangel oder mechanische Verletzungen können ganz ähnliche Schadbilder hervorrufen.

Erst bestimmen – dann handeln.

Nützlinge sind unsere natürlichen Helfer

Ein naturnaher Garten bietet zahlreichen Nützlingen Nahrung und Lebensraum. Sie helfen dabei, die Populationen verschiedener Schädlinge auf natürliche Weise zu begrenzen.

Zu den wichtigen Helfern gehören beispielsweise:

Marienkäfer und ihre Larven

Sie ernähren sich unter anderem von Blattläusen.

Florfliegenlarven

Auch sie vertilgen zahlreiche kleine Schädlinge und insbesondere Blattläuse.

Schwebfliegenlarven

Viele Arten ernähren sich im Larvenstadium von Blattläusen.

Schlupfwespen

Je nach Art parasitieren sie beispielsweise Blattläuse, Raupen oder andere Insekten.

Laufkäfer

Sie jagen am Boden verschiedene kleine Tiere und können auch Schneckeneier oder kleine Schnecken erbeuten.

Vögel

Viele Gartenvögel verfüttern während der Jungenaufzucht große Mengen an Insekten und Raupen.

Wer auf eine abwechslungsreiche Bepflanzung, heimische Blühpflanzen, ungefüllte Blüten, Hecken, Totholzbereiche und andere naturnahe Strukturen achtet, betreibt deshalb gleichzeitig vorbeugenden Pflanzenschutz.

Mechanische Maßnahmen

Nicht jeder Schädling muss mit einem Mittel bekämpft werden.

Oft reichen einfache Maßnahmen:

Raupen oder Käfer absammeln,
befallene Blätter oder Triebe entfernen,
Kulturschutznetze einsetzen,
Leimringe oder andere geeignete Barrieren verwenden,
Fallobst und stark befallenes Pflanzenmaterial entfernen,
bei einzelnen Pflanzen Schädlinge mit Wasser abspülen.
Kulturschutznetze können beispielsweise verhindern, dass bestimmte Gemüsefliegen, Kohlweißlinge oder andere Schädlinge überhaupt an die Pflanzen gelangen.
Dabei ist wichtig, die Netze rechtzeitig aufzulegen und an den Rändern sorgfältig zu verschließen.

Pflanzenkrankheiten vermeiden

Pilzkrankheiten gehören zu den häufigsten Problemen im Garten. Vorbeugung ist auch hier meist wirkungsvoller als eine spätere Behandlung.

Hilfreich sind unter anderem:

ausreichende Pflanzabstände,
luftige Pflanzenbestände,
resistente oder wenig anfällige Sorten,
Bewässerung möglichst direkt im Wurzelbereich,
Entfernung stark befallener Pflanzenteile,
geeignete Fruchtfolgen im Gemüsebeet und
regelmäßige Kontrolle.

Kranke Pflanzenteile sollten nicht grundsätzlich auf den eigenen Kompost gegeben werden. Ob dies möglich ist, hängt vom jeweiligen Krankheitserreger und von der Art der Kompostierung ab.

Wenn Pflanzenschutzmittel notwendig werden

Auch im Kleingarten kann es Situationen geben, in denen der Einsatz eines Pflanzenschutzmittels erwogen wird. Er sollte jedoch nicht die erste Maßnahme sein.

Im Haus- und Kleingarten dürfen nur Mittel verwendet werden, die für diesen Bereich beziehungsweise für nichtberufliche Anwender zugelassen sind. Entscheidend ist außerdem immer das konkrete zugelassene Anwendungsgebiet – also unter anderem die betreffende Kultur und der zu bekämpfende Schadorganismus.

Die Gebrauchsanleitung, Aufwandmenge, Anwendungshäufigkeit, Wartezeiten und sämtliche Anwendungsbestimmungen sind einzuhalten.

Besondere Vorsicht ist zum Schutz von Kindern, Haustieren, Bienen und anderen Nichtzielorganismen sowie von Boden und Gewässern erforderlich.

Ein Pflanzenschutzmittel sollte niemals nach dem Prinzip „viel hilft viel“ angewendet werden.

Die zugelassene Aufwandmenge ist keine Empfehlung, die beliebig erhöht werden darf.

Hausmittel sind nicht automatisch harmlos

Im Internet werden häufig Hausmittel wie Essig, Salz oder Spülmittel zur Bekämpfung von Unkräutern, Schädlingen oder Pflanzenkrankheiten empfohlen. Solche Empfehlungen sollten nicht ungeprüft übernommen werden.

Insbesondere Essig und Salz sollten nicht als selbst hergestellte Unkrautbekämpfungsmittel verwendet werden. Haushaltsessig ist nicht deshalb ein zugelassenes Pflanzenschutzmittel, weil es zugelassene Produkte mit dem Wirkstoff Essigsäure gibt. Für Pflanzenschutzmittel gelten festgelegte Zulassungen, Anwendungsgebiete und Anwendungsbestimmungen.

Auf befestigten Freilandflächen – beispielsweise Gartenwegen, Terrassen, Hof- und Pflasterflächen – ist die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln grundsätzlich nicht erlaubt, sofern keine behördliche Ausnahmegenehmigung vorliegt.

Auch andere vermeintlich harmlose Hausmittel können Pflanzen, Bodenorganismen, Nützlinge oder Gewässer beeinträchtigen. „Natürlich“ oder „im Haushalt vorhanden“ bedeutet daher nicht automatisch, dass ein Stoff für den Pflanzenschutz geeignet oder seine Anwendung zulässig ist.

Bei Unkraut auf Wegen sollten im Kleingarten vorzugsweise mechanische oder thermische Verfahren eingesetzt werden, beispielsweise Jäten, Bürsten, Hacken oder geeignete thermische Verfahren.

Bei Krankheiten und Schädlingen sollte zunächst die Ursache beziehungsweise der Schaderreger bestimmt und anschließend geprüft werden, welche vorbeugenden, mechanischen oder biologischen Maßnahmen möglich sind. Ist ein Pflanzenschutzmittel erforderlich, sollte ausschließlich ein für den vorgesehenen Anwendungsbereich zugelassenes Mittel entsprechend seiner Gebrauchsanleitung eingesetzt werden.

Pflanzenschutz und Artenvielfalt gehören zusammen

Ein ökologisch orientierter Kleingarten versucht nicht, jedes Insekt zu beseitigen. Vielmehr soll ein Gleichgewicht entstehen.

Eine vielfältige Gartengestaltung mit Obst, Gemüse, Kräutern, Stauden, offenen Blüten, heimischen Gehölzen und kleinen naturnahen Bereichen bietet Lebensraum für zahlreiche Tierarten.

Wo genügend Nützlinge leben, können sich viele Schädlingspopulationen weniger stark entwickeln.

Pflanzenschutz und Naturschutz sind deshalb keine Gegensätze. Ein richtig verstandener integrierter Pflanzenschutz nutzt natürliche Vorgänge und greift möglichst wenig in das Ökosystem ein.

Fachinformationen der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein

Für aktuelle Informationen zu Krankheiten, Schädlingen, Schadbildern und geeigneten Gegenmaßnahmen empfehlen wir die Pflanzenschutzberatung für Haus- und Kleingärten der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein.

Die Landwirtschaftskammer stellt umfangreiche Informationen zu Schaderregern und Pflanzenkrankheiten unter anderem für Obst, Gemüse, Zierpflanzen und weitere Gartenkulturen bereit.

An dieser Stelle kann das Logo der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein als verlinkte Grafik eingebunden werden.

→ Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein – Pflanzenschutzberatung Haus- und Kleingarten

Der Link öffnet die aktuellen Fachinformationen der Landwirtschaftskammer in einem neuen Browserfenster bzw. Browser-Tab.

Damit ersetzt dieser direkte Verweis die frühere Darstellung fremder Internetseiten innerhalb eines Frames. Die Informationen verbleiben auf der Internetseite der Landwirtschaftskammer und stehen dort jeweils in ihrer aktuellen Fassung zur Verfügung.

Pflanzenschutz-Ratgeber für Haus- und Kleingärten

Zusätzlich bietet die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein einen umfangreichen Pflanzenschutz-Ratgeber Haus- und Kleingarten an.

Der Ratgeber behandelt unter anderem:

Rechtsgrundlagen,
integrierten Pflanzenschutz,
abiotische Schadursachen,
Unkräuter im Garten,
Krankheiten und Schädlinge an Gemüse,
Krankheiten und Schädlinge an Obst,
Zierpflanzen und
Rasen.

Der Ratgeber eignet sich damit auch als Nachschlagewerk, wenn ein Schadbild nicht eindeutig zugeordnet werden kann.

Kurz zusammengefasst

Situation Sinnvolle Maßnahme
Pflanzen gesund halten Standortgerecht pflanzen und bedarfsgerecht düngen
Schädlingsbefall vermeiden Pflanzen regelmäßig kontrollieren
Blattläuse Nützlinge fördern, gegebenenfalls mechanisch entfernen
Raupen Kontrollieren, absammeln oder Kulturschutznetz einsetzen
Gemüsefliegen Geeignete Kulturschutznetze verwenden
Pilzkrankheiten Luftige Pflanzung, richtig bewässern, befallene Teile entfernen
Wiederkehrende Krankheiten Sortenwahl und Standort überprüfen
Unbekanntes Schadbild Ursache vor einer Behandlung bestimmen
Pflanzenschutzmittel Nur zugelassene Mittel und nur entsprechend der Zulassung einsetzen
Unsicherheit Fachberatung der Landwirtschaftskammer nutzen

Unser Grundsatz

Vorbeugen – beobachten – bestimmen – natürlich regulieren – und erst wenn erforderlich gezielt eingreifen.

So schützt Pflanzenschutz nicht nur unsere Kulturpflanzen und die Ernte, sondern auch Nützlinge, Boden, Wasser und die biologische Vielfalt in unseren Kleingärten.

Quellen und weiterführende Informationen

Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein – Pflanzenschutzberatung Haus- und Kleingarten

Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein – Pflanzenschutz-Ratgeber Haus- und Kleingarten

Bundesministerium der Justiz / Bundesamt für Justiz – Pflanzenschutzgesetz (PflSchG)

§ 12 Pflanzenschutzgesetz – Vorschriften für die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln

Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) – Pflanzenschutzmittel (PDF)

Sektorspezifische Leitlinie zum integrierten Pflanzenschutz im Haus- und Kleingarten (PDF)

Hier geht es direkt zur Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein - Gartenbau

Logo der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein Nützlinge gegen "Schädlinge" an einer Rose